wiki instituteSuche

RanD060220

21:50

den text in die liste thing frankfurt gepostet.

20:50

heute hat das seminar an der akademie mainz (SeminarMz) sein jähes ende gefunden. es dümpelte ja schon von anfang an vor sich hin, trotz dem engagement der wenigen seminarteilnehmer und der seminarleiter. der überlegung seitens MarkusQuiring, noch ein finales block-wochenende einzuschieben, nach dem die letzten termine allesamt wegen seines brotjobs gecancelt waren (auch, weil ich die termine nicht alleine wahrnehmen wollte), erteilte ich dann doch eine absage. warum sich, trotz der wenigen teilnehmer, mit mühe ein wochenende freischaufeln? statt dessen schlug ich vor, dass das seminar hier im wiki institute digital fortgeführt wird. mal sehen, was daraus wird. bisher haben wohl einige hier mitgelesen, aber nicht mitgeschrieben.

am vormittag hatte ich die gelegenheit, die texte von lingner quer zu lesen. so wird für mich die idee der postautonomen kunst, so es sie denn gibt (und wenn ich es richtig im kopf habe, hat er sie schon in den neunzigern des letzten jahrhunderts eingefordert), langsam greifbarer. StefanBeck, der lingner genau gelesen hat, hat eine präzise forderung aus den texten extrahiert:"..., die Qualität moderner Kunst werde durch die Qualität der Kommunikation über moderne Kunst bestimmt."

StefanBeck hebt dann ab zu der vorstellung, dass, wenn der "Referennt Kunst" wegfiele, eine selbstreferentielle Sprachstruktur übrig bliebe. für eine postautonome kunst ist diese vorstellung wenig hilfreich, weil lingner, der sich in seinen texten stark auf luhmann bezieht, keineswegs vom ende der kunst (oder deren wegfall), sondern lediglich die krise der kunst bzw. des kunstsystems, welches sich vor allem im system der ausstellung manifestiert, diagnostiziert.

DavidGoldenberg schlussfolgert dahingehend "das ende jeglicher ausstellungskunst", was wiederum lingner zuvor in seinen texten andeutet, jedoch nicht als feststellung oder forderung aufstellt. lingner überlässt dies dem künstler. dass das ende der ausstellungskunst kommen musste, hat sich schon in den siebzigern des letzten jahrhunderts abgezeichnet, als buren und andere ihre galerien verliessen und fortan nur noch "in situ" malten. darauf sattelten die konzeptkünstler, die lingner zufolge, die autonomie der kunst in ein selbstreferentielles system überführten, an dessen ende die selbstauflösung steht.

die kunst hat sich nicht selbst aufgelöst, aber die konzeptkunst hat sich überlebt. StefanBeck geht nun den weg, die sog. netzkunst als leitfigur einer post-autonomen kunst zu etablieren. als er seinen artikel auf thing-frankfurt veröffentlichte war jedoch der net.art-hype gerade zu ende, viel porzelan zerschlagen, viele hoffnungen begraben. zu allem übel entdeckte eine herrschaar von ausstellungskünstlern das internet und fing an, sich dort zu präsentieren. diesem umstand einhalt gebietend, macht beck in seinem text klar, dass das nicht netzkunst ist.

von solcherlei verteidigungskämpfen ist man heute, nach ende der netzkunst und des net.art-hype, weitegehend verschont. man kann sich wieder der sache widmen und in ruhe das eine oder andere gerade rücken. wichtig ist hier eine linie, die StefanBeck aufzeigt von lingner zu alsleben zu heute. damit beck sich nicht zu sehr selbst loben muss, stelle ich in diese reihe seine wichtigsten arbeiten: das seminar und multi.trudi (vor allem aktivitäten im jahr 2003/2004).

was beck und vielen anderen entgeht (bzw. was eben explizit nicht weitergeführt und aufgegriffen wird), was lingner in seinen texten aber deutlich thematisiert, wenn er von autonomie und post-autonomie der kunst spricht, sind die faktoren produktion und damit einhergehende wirtschaftliche abhängigkeit des künstlers sowie poltitische abhängigkeiten.

eine post-autonome kunst, die sich in den nachwehen der netzkunst abzeichnet, hat die möglichkeit, diese begriffsparameter zusammenzuführen. post-autonome kunst steht a priori ausserhalb des kunstsystems. sie kann es sich leisten, anzuecken. und warum nicht, so wie es matze schmidt im letzten jahr formulierte, produktion im kapitalistischen sinne, also produktion verstanden als ausbeutung, angreifen? warum sich ausserhalb des ringes begeben und jammern, dass man nicht drinne ist?

ein meister des anecken zeigte sich auf thing-frankfurt (und in der rohrpost; und auf betacity): sab internet & co aufs maul. diese gruppe von post-autonomen künstlern hatte es sich zur aufgabe gemacht, neoliberale informations, also machtinstrumente, als solche zu entlarven und zu diffamieren. mittlerweile ist diese gruppe nur noch sporadisch auf thing-frankfurt aktiv. dort jedoch gibt es nichts zu entlarven, weil StefanBeck, als listenbetreiber, die kommunikationsstrategien der gruppe duldete, ja oft sogar anstachelte.

ein anderer meister des anecken war der kasperl , ein aktivist, der über ein paar wochen in 2003 auf thing-frankfurt sein vermeintliches unwesen trieb. der kasperl machte nichts anderes, als fragen, die er aus einem kleinen büchlein von fischli/weiss abschrieb, in die liste zu posten. mit der einfachen frage "soll ich in einem balon nach indien fahren" brach ein sturm der entrüstung los, der am ende binnen kurzer zeit mehr als 20 leute aus der liste trieb (bei etwas mehr als 150 subscribierten). dieser sturm, und das war das empörende, wurde von der kasperl jedoch nie mit boshaftigkeit oder aggression beantwortet, sondern schlicht mit einer erneuten frage aus jenem büchlein, dass sich als wahrer quell von sinnlosen fragen offenbahrte.

das alles sind letztlich nur kapriolen, findungsprozesse. noch fehlt es einer post-autonomen kunst an profil, an sprecherpositionen und einer archivierung und kanonisierung. das sind prozesse, die mit trashpavilion eingeleitet werden.

quellen/lesestoff

Weiter lesen

080322, 071125, 071105, 071103, 070915, 070914, 070912, 070910, 070909, 070908, 070905, 070827, 070819, 070811, 070810, 070809, 070808, 070807, 070805, 070803, 070802, 070801, 070731, 070730, 070722, 070721, 070709, 070708, 070703, 070618, 070617, 070615, 070613, 070525, 070524, 070519, 070514, 070507, 070505, 070504, 070502, 070501, 070430, 070428, 070422, 070416, 070411, 070402, 070321, 070317, 070316, 070315, 070305, 070304, 070227, 070226, 070225, 070220, 070219, 070218, 070217, 070212, 070205, 070203, 070202, 070130, 070125, 070121, 070116, 070110, 070106, 061231, 061217, 061210, 061123, 061111, 061009, 060908, 060606, 060605, 060514, 060512, 060502, 060417, 060414, 060408, 060405, 060404, 060402, 060329, 060327, 060325, 060323, 060321, 060319, 060318, 060317, 060315, 060314, 060313, 060310, 060309, 060306, 060304, 060302, 060301, 060228, 060227, 060226, 060225, 060221, 060219, 060216, 060214, 060213, 060212, 060211, 060210, 060209, 060208, 060207, 060206, 060205, 060203, 060202, 060201, 060131, 060130, 060129, 060128, 060127, 060126, 060125, 060124, 060122, 060121, 060120, 060119, 060118, 060117, 060116, 060115, 060114, 060113, 060112, 060111, 060110, 060109, 060108, 060107, 060106, 060105, 060104, 060103, 060102, 060101, 051231, 051230, 051229, 051228, 051227, 051226, 051225

TopicClassification
RND

20.02.2006 · SaschaBuettner · r2