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MutualKollaborativ

Mutual - Kollaborativ

Seitenbeschreibung

An diesem Platz wächst eventuell ein Ideengeflecht unter Mithilfe von Gästen und Wikiteilnehmern zu dem unten grob skizzierten Thema. Ich bitte um Nachsicht, wenn hier keine üblichen Prefabs abgeliefert werden. Im übrigen ist hier auch nur der Reflexionsort für den Text und nicht der Publikationsort. Der Ort des Textes wird zeitig verlinkt, so wie wir mit der Erscheinungsweise / Software etc. klar sind.

Ausgangsfrage

Sind wir im Krieg, wenn wir nicht mehr darauf achten, dass wir Militärsprache verwenden? Mein Text versteht sich als eine kritische Revision auch von neueren Strömungen "kollaborativer" Künste um freecooperation.org.

Hypthetisch: Es stellt sich gerade heute vehement die Frage, wie wir mit unserer Sprache umgehen. Folteropfer heißen heute Missbrauchte und fallen damit nur bedingt unter die Gerichtsbarkeit einer auf der Tradition u.a. des Humanismus entwickelten Genfer Konvention, welche explizit Folter ächtet. Was heißt das dann für anderes Vokabular?

Arbeitsvorgang

An diesem Ort dokumentiere ich den Fortschritt und berichte über den Stand der Recherche. Zugleich kann kommentiert werden. Für Hinweise bin ich selbstredend immer dankbar.

MatthiasWeiss - 02 Jun 2004

Ja, und wo ist der Text?

TWikiGuest - 04 Jun 2004

Wikis wachsen nicht auf Bäumen aber wie Bäume, mein lieber Gast. Insofern verstehe dies als Wunsch zu mehr Geduld. Auch ist dies hier eine Plakatwand und kein Regalfach, in dem ein Fertigmenü zu entnehmen ist. Was kann es denn an Anregungen geben?

MatthiasWeiss - 04 Jun 2004




Antje und Kurd, 12 Dez 04
Kuerzlich hatte ich/Kurd hier einen Text unter Topic ‘Mutual‘ eingestellt, der ist jetzt weg. Jetzt mache ich es nochmal und einen zweiten dazu:

  1. Symposion vom 15/16 Okt 04 in der Hochschule fuer bildende Kuenste Hamburg, Lehr und Forschungsbereich digitale Systeme, Netzwerke und Kommunikation. Bericht und Eroerterung, Anfang von Kurd und Antje.
  2. “Waschzettel“ von mir zum Buch »Alsleben/Eske (Hg.): Mutualitaet in Netzkunstaffairen.« ISBN 3-8334-1767-6

1_Symposion am 15/16 Okt 04 in der Hochschule fuer bildende Kuenste HH, Berichtsanfang von Antje und Kurd

Mit anderen Berichten und Eroerterungen von aussen und “Bilderflut“ bitte erweitern:

In Untergruppen wurden von den Symposionteilnehmern Konversationsformen exemplifiziert, als die Gegenstaende spaeterer muendlicher Eroerterungen ueber Formen und Sinn offizioeser Konversationskunst. Ausserdem gab jede/r einen Bericht ueber die eigene Arbeit. Weil die muendlichen Eroerterungen mehr Zeit als gegeben war beanspruchten, einigte man sich darauf, sie im Wiki fortzusetzen. Exemplifikationen oder Themen:
  1. BilderChat.
  2. Konversieren - modulares Interagieren per Partitur.
  3. Mutualitaet ansinnen.
  4. Selbstbehaupten
  5. Les galeres du bel esprit.
  6. Soziale Software.
  7. Tafeln.
  8. Ethnische Konversationsform.
  9. Deplazierte Dilemmas /.
  10. trudi im Gespraech.
  11. Konversation in Wikis.
  12. Uebergreifende Ideen und Quellen.

2_“Waschzettel“

Wenngleich alle Menschen der Welt - sofern sie Internetanschluss haetten - im Netz zuschauen koennten, beinhaltet der Begriff Netzkunst die Idee Publikum nicht.
Auch wenn sie URL und Termin wuessten und Zeit und Lust haetten und auch Verbindung bekaemen oder zufaellig beim Browsern Zeuge wuerden, waeren sie fuer die Netzkunst nicht erheblich - es sei denn, “man mischt mit“. Damit ist schon grob die gesonderte, naemlich austauschende Kunstsphaere umrissen, von der ein vorliegendes Buch berichtet - gesondert meint, gesondert von der produzierenden Sphaere der Kunstarten. Es wird gezeigt, dass sich diese Position auf die Kunstgeschichte umfangreich stuetzen kann.

Von dieser konversationellen Kunst (Mensch zu Mensch in Echtzeit) unterscheiden die Herausgeber ausdruecklich die interaktive Kunst, in der ja ein Publikum mit einem reagierenden Kunst-Produkt umgeht (etwa vergleichbar der Mensch/Maschine-Kommunikation bei den Informatikern). So didaktisch berechtigt diese Unterscheidung ist, um die neue Sphaere herausarbeiten zu koennen, so soll man doch auch nicht vergessen, welch ein erschuetterndes Erlebnis das erste Auftreten interaktiver Kunst in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts - als Partizipationskunst noch nicht elektronisch - hervorrief: das Bewusstsein der festen Rollen von Kuenstler und Publikum verschwand. Das ist eine Grundlage fuer die Netzkunst.

Die inhaltlichen Seiten des wechselseitigen Austauschens behandelt das Buch in Mitschnitten von sieben ausfuehrlichen Gespraechen ueber Kommunikation auf Gegenseitigkeit. In entspannter Aufmerksamkeit breiten sie ein verwirrend reiches Material an Gesichtspunkten aus. Dem Vorwort von Heidi Salaverria gelingt es, diese in eine Uebersicht zu bringen und auf Gegenseitigkeit hin in der Weise zu orientieren, dass es gilt, Partikularitaet zu exponieren und anzusinnen.

Im zweiten Teil des Buches schreiben Beteiligte ueber den konkreten Entwicklungsgang: Von Computerkunst, von der Hamburger Datenkunstbewegung und von der Zeit seit Oeffnung des WWW. Ein weiter Bereich engagierter Netzkunstaktivitaeten wird unter dem Begrff ‘Netzserendipity‘ behandelt - vielleicht buergert sich der Vorschlag ein. Vor allem enthaelt der zweite Teil des Buches originale Berichte von kuenstlerischem Geschehen im und ausserhalb des Netzes: Es wird berichtet vom fluktuierenden ‘Serverfestival‘, in dem keine vorgedachten Ausgrenzungen existieren und das auch, “Server schlafen nie“, der Permanenz von Web und Konversation nachgeht: Sascha Buettner; von der schon beruehmten Kunst des Gespraechsraumes ‘multi.trudi‘, Pfoertnerhaeuschen in Frankfurt/Main: Stefan Beck; von drei Jahren Bilderchat ‘Spinnen am Computer‘: Antje Eske; vom Chat in den ‘Zuericher Gespraechen‘: Matthias Lehnhardt; vom ‘il chat di urbino‘ laengs der Sala delle Veglie: Alsleben, Eske; vom hamburger ‘INTERFACE3network‘: Matthias Mayer; eine wiener Satire: Zorah Mari Bauer; von deplazierten Dilemmas: Matze Schmidt; von swiki und CMS: Ulf Freyhoff; von einem Musikstream zwischen Ljubljana/Hamburg/Amsterdam: Tilo Kremer; u.a.

In einem ‘Disputationen‘ genannten dritten Teil des Buches werden weitere Ideen herangetragen: Der Gegenseitigkeit erst ermoeglichende Kontext: Georg Nees; soziale Software, Zusammenfallen von kultureller Basis-Technologie und aesthetisch-diskursiver Verfahren: Heiko Idensen; einzeln vorm Monitor: Matthias Weiss; der Ort des Vernetzens: Bettina Sefkow; Gegenseitigkeit sei in der Kunst wie eine Laufmasche, die man nicht stopfen darf: Julian Rohrhuber; die nicht mehr gelaeufige Idee des ‘kairós‘ als kuenstlerisch zentraler Begriff: Bernhard Taureck.

Die Autoren sind bis auf wenige Netzkuenstler. Vorliegendes Buch spricht also nicht ueber die Kunst, sondern als Teil von ihr unmittelbar aus der Kunst heraus. Das hat den Vorteil, dass keine Vermittlerperspektive mit deren Werten sich dazwischenschiebt, aber natuerlich auch den Nachteil, dass hie und da Distanz vermisst werden kann. In unserer Zeit, da die second-hand-Informationen bei weitem ueberwiegen, mag die Leserin oder der Leser den Vorteil o.U. hoeher schaetzen, als den Nachteil.
Mutualitaet in Netzkunstaffairen.
Herausgegeben von Kurd Alsleben und Antje Eske.
Mit Beitraegen von:
Zorah Mari Bauer, Stefan Beck, Tatjana Beer, Sascha Buettner, Detlev Fischer, Yvonne Fietz, Ulf Freyhoff, Karl Gerstner, Heiko Idensen, Birgit Kiupel, Tilo Kremer, Matthias Lehnhart, Volker Lettkemann, Matthias Mayer, Georg Nees, Cord Passow, Julian Rohrhuber, Heidi Salaverria, Bettina Sefkow, Matze Schmidt, Bernhard Taureck, Matthias Weiss u.a.
material-verlag der Hochschule fuer bildende Kuenste Hamburg und Book on Demand GmbH, Norderstedt. 2004. ISBN 3-8334-1767-6, Euro 19,95. DIN A5, 240 Seiten, 16 Abb, Broschur.



13.12.2004 · AntjeUndKurd · r12