-- AntjeUndKurd - 12 Dec 2004
1_BILDERCHAT
__(Antje:) Aus der sich anschließenden, Diskussion mit einer Bandbreite zwischen Begeisterung und Ablehnung entnahm ich, dass es sich mit dem Bilderchat verhaelt wie mit einem Vexierbild: wenn ich auf etwas bestimmtes fixiert bin, sehe ich nur die „Hexe“ oder die „Gans“. Die „junge Frau“ oder der „Hase“ bleiben unsichtbar - ebenso der Bilderchat samt seiner Schoenheit, die etwa in dem unverhofften und vielfaeltigen Netz der Verlinkung, dem Prozess der Annaeherung und Oeffnung auf nonverbaler Ebene, der Aufloesung des Selbstdarstellungszwanges zu Gunsten der Freude am Gesamtgeschehen und der Oeffnung der „Steigrohre des Unbewussten“ bei schleichender Aufhebung des metaphorischen Defizits liegt. Natuerlich laesst sich das alles schon gar nicht beim einmaligen Gestreiftwerden wahrnehmen. Zum Bilderchat gehoert Regelmaeßigkeit und eine Stammgruppe ebenso wie zum spielerischen, poetischen Umgang mit Wort und Bild eine kreative Aneignung des Mediums gehoert.
__(Kurd:) In der BilderChat-Diskussion tauchte das Wort ‘beliebig‘ auf und seine negative Besetzung liess mich im Dornseiff nach der Bedeutung suchen. Das Wort ist unter “11. Wahl“ verzeichnet: “nach Wunsch; nach eigenem Ermessen; entscheiden; Dilemma; freie Hand lassen; Urteil;“ u.a.
Die Woerter bedeuten mehrheitlich einen vorlogischen Raum. Fuer Kunst
und Konversation ist der ja wichtig - gemeint war ‘beliebig‘ aber schon in einem kuenstlerischen Verstande. Sabine Breitsameter q1 schreibt - in einem Buch, das wir zum Symposion von Heico geschenkt bekamen - in solchem negativ gemeinten Sinne: »… durch die willkuer derjenigen, die wechselnd und anonym das ergebnis bestimmen, ohne die kuenstlerische absicht des einzelnen beitrags zu wuerdigen. - so kann beim teilnehmenden leicht ein gefuehl von vergeblichkeit und ohnmacht entstehen.« Die Absicht des anderen zu wuerdigen, bedarf einer besonderer Kultur, um die es nicht zuletzt in der Konversationskunst geht. Wie ebenso die anderen unten unter q1 zitierten Textstuecke zeigen, wird der Unterschied zwischen Konversationskunst (ganz ohne Publikum und Werk) und interaktiver Kunst (Produktion fuer Publikum) nicht wahrgenommen.