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seit 20. juli 2005 hat die kunst in wiesbaden einen neuen ort: die schaufenster der JugendVerkehrsSchule am PlatzDerDeutschenEinheit. um es gleich vorweg zu schreiben: dieser ort ist gar nicht so neu ... für die kunst. schon seit dem kunstsommer 1989 tummelt sich dort die kunst, hatten künstler und künstlerinnen ihre werke in den schaufenstern entsorgt bzw. geparkt.neu ist also nichts ... lediglich die nutzer, denn die alten "mieter" wurden gekündigt, bernd brach mit der auswahl der neuen "mieter" beauftragt. und hier haben wir des übels kern beim namen genannt. nicht, dass bernd brach ein schlechter künstler ist (ein wenig beuys-lastig?), aber er stellt immer die gleichen aus (was a) langweilig und b) schlecht ist, da die auserwählten künstler sich nicht zwingend durch qualität auszeichnen!).
lediglich Alexander Pfeiffer (LesungImFenster) ist neu im kreise der erwählten. ob das ein gutes zeichen ist, wage ich zu bezweifeln. jedoch, mann kann nun sagen: er macht seinen weg. unspektakulär, aber beständig.
warum nun dieser ort für die kunst? frau thies, die sich nun zum wiederholten male dadurch auszeichnet, zur kunst ein sehr funktionales verhältnis zu haben (die alte leier von der kunst und der gentrifizierung der stadt, s.a.: WiesbadenerKunstsommer2006), meint, als eine letzte tat, das neu-brachland zwischen PlatzDerDeutschenEinheit und BleichStrasse, also den übergang zum innerem westend, mit kunst aufwerten zu müssen. denn, so frau thies, dieser ort des "noch-nicht" sei gerade deswegen ein ort für die kunst, denn diese habe die kraft, dort ein kulturelles kleinod zu schaffen.
vordergründig geht es darum, die, nennen wir sie mal "entwurzelten" vom PlatzDerDeutschenEinheit zu vertreiben, was die dort installierten videokameras besser bewerkstelligen, als die halbgare kunst in den schaufenstern, die, das ist das langweilige, teils über 10 jahre alt ist.
frau thies macht also ein paar euro locker, um mittels der bekannten kunstschaffenden, die bernd brach um sich versammelt hat, einen un-ort, einen nicht-ort, aufzuwerten. am wenigsten davon haben die künstler, denn, davon bin ich überzeugt, hätten die künstler ein ordentliches salär bekommen, sie entweder neue arbeiten oder alte arbeiten, aber "massgeschneidert", präsentiert hätten. so findet sich oller kram aus vergangenen tagen.
gerechter weise muss ich anmerken, dass ich bei der arbeit von ben petterson nicht weiss, ob es sich um eine alte arbeit handel. ebenso muss angemerkt werden, dass die arbeit von ulla reiss sicherlich neu ist, dafür aber als plagiat gewertet werden muss, was an sich nicht schlimm ist, wenn man damit offensiv und explizit umgeht. ulla reiss darf mann dieses versäumnis nicht anlasten: sie ist eine kunstlehrerin im ruhestand. was soll man da anderes erwarten?
die arbeiten sind billig, nicht aktuell. sie setzen sich mit dem ort nicht auseinander und wirken bestenfalls wie contergan. in ein paar jahren werden wir dann die nebenwirkungen zu spüren bekommen.
natürlich müssen wir uns noch dem arroganten vorhaben des alexander pfeiffers widmen. dieser posaunte grosskotzig:
?Der Platz der Deutschen Einheit ist seit langem und in vielerlei Hinsicht ein schwieriges Terrain, das immer wieder die öffentliche Aufmerksamkeit fordert?, schreibt Kulturdezernentin Rita Thies in dem vom Wiesbadener Kulturamt aufgelegten Faltblatt. ?Hier ist ein Ort der Möglichkeiten, der Visionen, des Noch-Nicht und gerade deshalb ein Ort für die Kunst! Sie war schon oft in der Lage, durch ein anderes Sehen auf bestimmte Orte und Plätze der Stadt unsere Phantasie anzuregen.? Getreu dieses hoffnungsfrohen Mottos werde ich am Mittwoch, den 3.8., ab 19:00 Uhr aus einem der Schaufenster auf der Rückseite der Bushaltestelle am Platz der Deutschen Einheit die Straßenkreuzung von Bleichstraße und Helenenstraße mit urbaner Poesie beschallen. Werde Passanten, Fahrgästen, Streunern, Trinkern und Zuhörern ein paar obdachlose Texte vor die Füße werfen, auf daß sie sich vielleicht in der einen oder anderen Ohrmuschel einnisten. Straßentexte für ein Straßenpublikum. Da bekommt der antiquierte Begriff von der ?Asphaltdichtung? einen Schlag ins Hyperrealistische.verschanzt hinter einer schaufensterscheibe, die leider nicht am abend der lesung mit steinen beworfen wurde (was ja auch verständlich ist, weil das ja eine straftat wäre), meinte unser dichter urbane poesie all denen, die anders sind als er, um die ohren hauen zu müssen. wie wir dem beitrag LesungImFenster entnehmen können, ist dies gründlich misslungen, was seinem weiteren weg als stadtlyriker sicherlich keinen abbruch tun wird. es macht jedoch die trennung von dem, was ihn dort hingebracht hat, um so deutlicher.
diesmal also agieren nicht die bildenden künstler wider die bewohner sondern der literat, der, klaro, seinem geldgeber nicht in die hand spuckt, sondern willig die vorgabe aufgreift und genau jenes publikum angeht,welches dort nicht erwünscht ist: kleinkriminelle, alkoholiker, dealer, obdachlose.
ärgern wir uns nicht weiter über das gesprochene wort. ärgern wir uns lieber über die misslungene arbeit "reservat I - heimat" von wolfgang gemmer, mittlerweile hausmeister im kunsthaus. diese arbeit habe ich 1998 das erste mal ausgestellt. und zwar in der via publica (ja, da, wo heuer der paulaner drinne ist). und schon damals war die arbeit nicht neu!
hätte frau thies ihr ansinnen ernst gemeint, dann hätte sie diese arbeit, die zwar explizit, also sehr einfach gestrickt ist, aber dennoch eine zum nachdenken anregende wirkung besitzt, so gefördert, dass sie, als reservat II - heimat , neu installiert hätte werden können. statt dessen hat wolfgang gemmer den kram einfach ins schaufenster geklatscht.
angeli k., eigentlich eine begnadete künstlerin für den niveuavollen kitsch, beschämt auge und betrachter mit einfacher, also langweiliger, assoziation: reifen mit deckchen drauf - tituliert als verkehr. fertig. scheisse. blöd.
bernd brach parkt sein brachland gleich in zwei schaufenstern. auch dies eine arbeit, so alt wie methusalem ...
fehlt noch die gute gertraud hasselbach. auch hier altes, langweiliges zu sehen.
die schaufenster werden so ein jahr lang ein ort der expliziten langweile bleiben. was danach kommen wird ... hängt davon ab, ob frau dr. isolde schidt dann endlich im ruhestand - oder wahlweise verstorben - ist, denn so lange diese dame referentin für bildende kunst ist, so lange wird ein bernd brach kuratieren dürfen und so lange wird er wieder und wieder die gleichen langweiler hinterm ofen hervorziehen.
aber auch ben pattersons globalization für anfänger, so aufrichtig es gemeint sein möge, wirkt in dem von mir umrissenen kontext der gentrifizierung des viertels wie eine arrogante belehrung der unwissenden. was scherrt den, der genau so wenig hat wie der ausgebeuttete arbeiter in china, die globalisierung? er soll von seinem platz vertrieben werden. nicht, in dem ihm obdach und arbeit gegegeben wird, sondern einfach verschwinden, unsichtbar werden.
all das ist ergebnis einer zynischen einstellung einer lehrerin, die, dank der damaligen verhältnisse, von den grünen zur kulturdezernentin erkoren wurde. der spuk ist bald zu ende. thies geht. leider nicht der rest.
nachtrag
eigentlich war und ist es fies auf das wirken von frau thies (als sie noch kulturdezernetin war) rumzuhacken. immerhin hatte sie versucht die klüngelwirtschaft und verkrusteten strukturen aufzubrechen. so formulierte sie mal mir gegenüber, dass sie nicht der meinung ist, dass es stadtkünstler gäben könne. das formulierte sie im zusammenhang einer förderung des bbk wiesbaden und anderen künstlern in der stadt. natürlich mussten wir damals widersprechen, denn schliesslich ist es aufgabe des bbk vorsitzenden für die künstlerinnen in der stadt einzutreten. und das heiszt auch: dafür zu sorgen, dass die spärlichen gelder nicht noch spärlicher werden.unterstellen wir also frau thies, dass sie es wirklich versucht hat. das sie wirklich versucht hat mit hr. fischer das kulturamt zu durchlüften. das sie wirklich versucht hat, die angestellten zu mehr effizienz anzuleiten. das sie wirklich versucht hat ihre referenten zu fortbildungsseminaren zu schicken. das sie wirklich meinte, das kein künstlerklüngel sondern interessante projekte zu fördern seien.
unterstellen wir all dies, dann ist sie an einer macht im hause gescheitert. dies bedeutet aber auch, dass der WiesbadenerKunstsommer als ein kompromiss betrachtet werden muss: einmal durfte der alte klüngel mitmachen, aber bei allen zukünftigen bleiben die wiesbadener künstler aussen vor, was durch den einfachen trick "einsetzen eines auswärtigen kurators mit renomee" erzielt wurde.
bleibt die frage, was frau thies geritten hat, als sie "EinOrtFuerDieKunst" zugelassen hat ... -- SaschaBuettner - 14 Jan 2006






