- 19 Aug 2002
- 19 Aug 2002
- 19 Aug 2002
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- 20 Aug 2002
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- 21 Aug 2002
- 21 Aug 2002
- 21 Aug 2002
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- 23 Aug 2002
- 26. Aug 2002
- 26 Aug 2002
- 27 Aug 2002
- 31 Aug 2002, Sab*
- 03 Sep 2002
- 13 Sep 2002
- 23 Sep 2002
- 14 Jan 2003
- 16 Jul 2003
- 16 Jul 2003
- 30. Jul 2003
19 Aug 2002
Frage an Matthias Weiß:Wie würdest Du die wesentlichen Unterschiede zwischen der am verblühenden Berliner Netzkunst-Avantgarde-Hype-Diskussion und den (netz)künstlerischen Ansätzen des Serverfestivals skizzieren?
Sab*
19 Aug 2002
Infrastrukturen - Topdown vs. Bottomup
Diese Frage lässt sich meines Erachtens erst einmal nicht unbedingt aus Werken Berliner Netzkunst selbst heraus beantworten. Deren Schöpfer sind ja nicht städtisch gebunden, deren Werke in der Regel noch weniger. Es geht um Infrastrukturen. Denn vielmehr berührt sie ein allgemeines Phänomen der Topdown-Kulturpolitik in diesem Land, und die Berlinisierung ist eine Erscheinung, die auch anderswo Kulturschaffenden im Wege zu stehen scheint.
Während sich das serverfestival in seiner generellen (Halb-)Struktur in Form eines Bottomup-Projektes gebildet hat, ist die Szene in Berlin offenbar der größeren Kulturpolitik aufgesessen und formuliert selbst ähnliche Strategien, wie sie erprobtermaßen zeitgerecht sind: Ein Fest wie die transmediale beispielsweise hat sich selbst in den kommerziellen Rang gepresst, in dem es unreflektiert wie eine Bambi-Verleihung erscheint. Dabei fallen dann die Bewertungskategorien nicht mehr auf, da der Jubel über Preisträger größer als die Reflexion über die Arbeiten ist. Das heißt, dass den Berlinern die Insitutionalisierung nicht gut bekommen ist. Das könnte meinen, dass man gezielt größere Organisationsstrukturen meidet, was allerdings auch verhindert, dass man Kapital akkumuliert, was wiederumg der Projektfinanzierung abträglich ist. Hier muss meines Erachtens Cleverness walten. Wir müssen Strategien entwickeln, damit wir eventuell handlungsfähig wie ein Unterfangen a la transmediale werden, andererseits aber nicht in die selben Fehlerstrukturen verfallen. So sollten wir uns tatsächlich einmal die Mühe machen, uns von Andreas über seine Erfahrungen mit der Organisation berichten zu lassen. Dass wir natürlich nicht eine derartige Größe anpeilen, ist mir zum gegenwärtigen Stand klar, aber wer weiß schon, was in zweieinhalb Jahrzehnten sein wird ...
no(c)@mw
19 Aug 2002
Hmm, meine Frage zielte zum einen auf die Struktur, die Du mit Bottomup ganz gut getroffen hast, ab. Jedoch frage ich explizit nach den künstlerischen Ansätzen. M.E. gibt es beim serverfestival keine Trennung zwischen Künstler/Kurator, da alle, im Sinne der Definition von Kurd und Antje, Teilnehmer sind. Uns stellt sich also weniger die Frage einer transmediale, die im klassischen Festival-Korsett steckt.Siehst Du wirklich das serverfestival zukünftig vor Problemen, wie sie sich seinerzeit der transmediale gestellt hat?
Sab*
19 Aug 2002
Besitzt das serverfestival die Form eines Festivals?
Um zunächst auf Deine gefettete Frage zu antworten: Nein, dieses Problem sehe ich so nicht. Dennoch wäre es illusorisch, wenn ich als Dortmunder Aushecker/Teilnehmer/Durchsetzer des serverfestivals ganz vergäße, dass es da immer auch etwas zu organisieren gibt. Das meint auch die ansatzweise Institutionalisierung, mit der - bedenkt man das jüngste Theoriegewitter in der Liste zum Thema Frei und Offen - beispielsweise Almut so ihre Schwierigkeiten hat. Denn wir stecken da schon unsere Köpfe auch in merkantile Bereiche. Ich glaube, dass das auch gar nicht anders funktioniert.
Andererseits ist mir erst einmal kein Berliner Projekt bekannt, das sich in dieser Weise über Teilnahme anstelle der Frage nach dem Berufststand definiert. Das ist ja auch der Krampf in z.B. all den Berliner Kunstforumsbänden aber auch Bianchi [CoolClubCultures]. Dass nämlich die Rede vom Crossover dazu geführt hat, dass sich ein noch größeres Standesbewusstsein auf allen Ebenen gebildet hat, welches nun nicht daran denkt, dass man gemeinsam arbeitet, sondern in den Gefilden der anderen wildert und dabei nur Schwachsinn produziert: "Ich bin Gott also auch DJ und Künstler und Theoretiker und We[s]tbam und und und."
Dieser Quatsch hat sich - dem Himmel sei's gedankt - ja nie im sf abgebildet. Aber wie gesagt, dass wir nun Etats kreieren, macht ein wenig Organisationstalent notwendig und kann sich nicht nur auf dem Netz selbst abbilden. Daher werden automatisch auch Kapitalströme in Bewegung gesetzt, deren Wege kontrolliert werden müssen. Da es aber in der Regel vor allem für die Kultur zuwenig [s. WI Whz. - Kulturdezernat] gibt, müssen wir auch hier Cleverness entwickeln, damit Honorare bezahlt werden können, Fahrtkosten möglichst unbürokratisch erstattet werden, Materialien ausgeliehen werden. Hierzu werden Verträge geschmiedet, und schon sind wir mitten in einer Form, die sich wirklich auch dem Begriff des "Festivals" annähert.
no(c)@mw
20 Aug 2002
Sicherlich, Kunstproduktion (oder auch Ereignisproduktion) bedeutet immer auch die Frage nach: Woher das Geld nehmen. Dennoch möchte ich gerne diesen Part vorerst ausblenden, um zu einem späteren Zeitpunkt dahin zurückzukehren.Zuvor interessiert mich der Part des Teilnehmens: im Februar (war es Februar?) folgten meinem Aufruf 10 Leute nach Kassel um zu-an-um eine Sache zu diskutieren, die bis heute keiner der Diskutanten wirklich genau fassen kann. Einzig der Begriff serverfestival bindet-führt sie zusammen.
Ich denke, daß hier in einem aussergewöhnlichem Masse Miteinander gearbeitet wird, weil das Bedürfniss gegen einen Hype (und darauf zielte mein Eingangstatement ab) des Internets, gegen eine arge Geschichtslosigkeit, "Front" gemacht wird. Ich denke, die Teilnehmer sind der Platitüden müde und wollen einfach herausfinden was "Web basierte" künstlerische Produktion/arbeiten sein kann und de facto (Stand 2002) ist.
Teilst Du diese Einschätzung?
Sab*
20 Aug 2002
Qualität prozessual oder Werk orientiert?
Diese Einschätzung teile ich. Ich muss allerdings noch herausfinden, was denn nun der Hype an der gesamten Szene ist. Die kollaborative Szene, die wir im Begriff sind aufzubauen, ist doch nun schon in der dritten oder vierten Generation von Netzwerkern aktiv. Nur mit dem einen Unterschied, dass wir die unschätzbaren Möglichkeit der einfachen Tools besitzen, was viele Nerven und vor allem Programmierer-Geld spart. Ein wenig Sachverstand, schon läuft das Blog, ein wenig Hilfe und man kann ins Forum posten. Und wenn man einfach Tools wie Postnuke auf seinem Server installiert, hat man eine Komplettllösung mit derart vielen Features, dass man schon wieder das M$-Word-Feeling des überbordenden Eifers von Programmierern bekommt, mit möglichst großem Grad an Featuritis den Nutzer zu neuer Hardware zu überreden. Das ist der Stand. Das heißt aber noch lange nicht, dass derartige Tools auch immer mit Erfolg zum Einsatz kommen.
Als kurzes Zwischenfazit würde ich folgendes für unser sf formulieren: Wir haben Tools, wir haben tolle Teilnehmer, aber bis auf die Mailingliste - und selbst die brauchte eine Zeit, um genutzt zu werden - ist ja gähnende Ödnis auf dem www.serverfestival.net. Stattdessen erleben wir aufgrund irgendwelcher theoretischer Hintergründe einen hohen Grad an Bifurkation unseres Auftretens, der nicht wirklich über eine Oberfläche abgefangen und gespiegelt werden kann. An sich ist dieses auf Differenz hin angelegte Arbeiten natürlich hervorragend und entspricht genauestens einer unausgesprochenen Maxime des sf. Das muss aber erst einmal verinnerlicht werden. Zum Geschichtlichen kann ich nur sagen, dass wir selbstredend jede Menge Möglichkeiten besitzen, reflektiert zu arbeiten. Im Augenblick sehe ich nur keinen, der in irgendeiner Weise die bisherigen kollaborativen Projekte zumindest in Form einer kommentierten Linkliste recherchiert. Ich glaube, dass wir Differenz nicht herstellen können, wenn nicht auch historisch reflektiert wird. Das allein auf historischer Kontinuität basierende Arbeiten von Kurd und Antje müsste beispielsweise noch kontextualisiert werden. Ich habe gestern den Idensen-Aufsatz in Gendollas Interaktivitäts-Aufsatzband gelesen. Und da fehlen Kurd und Antje mit den Hypercards. Die beiden sind im übrigen nun vielfach gestraft, da sie sich jetzt, nachdem Apple jegliche Unterstützung abgelehnt hat, um eine wie auch immer zu bewältigende Portierung bzw. Konservierung ihrer Projekte mühen müssen und aufgrund der Ignoranz eines dicken Players in der Computerwelt ihr Basiswerkzeug verlieren.
Künstlerisches Arbeiten, müssten wir uns nun mittlerweile auch mal fragen, nachdem Begriffe wie Form und Qualität schon einmal gefallen sind, meint nun was? In der Kunstgeschichte haben wir die unterschiedlichsten Arbeiten, in denen - vereinfacht - mehrere an einer Sache stricken. Dabei können wir natürlich den Werkbegriff vermeiden und das Prozessuale favorisieren. Wer liest dann aber noch das, was wir geschrieben haben, wer schaut sich an, was wir bebildert haben, wer vollzieht die Logbücher der Ereignisse nach, die wir versuchen zu schreiben? Ich denke, dass wir ja auch dahin kommen möchten. Dann stellt sich natürlich auch die Frage nach dem Was. Was machen wir da, was schreiben wir da? Ist dann aber noch Qualität mit herkömmlichen, alltagstauglichen Begriffen und Wertungen (gutes Gemälde, weil ... / schlechter Text, weil ...) dem beizukommen, was wir versuchen oder liegt bereits in dieser Frage eine je spezifische Qualität unserer Verfasstheit?
no(c)@mw
21 Aug 2002
Den Verweis auf die noch zu erstellende Historifizierung bzw. Kontextualisierung finde ich sehr wichtig. Ich denke, daß sollte Teil des Festivals sein: Jeder und jede sollte sich daran beteiligen.Künstlerisches Arbeiten wird hier (neu) aufgefasst. Wie schreibt Stefan Beck so schön:
Wie die Leere in der Kunst aushalten, die darin besteht, dass seit Duchamp nichts mehr kunstwürdiges dem Kunstwerk selbst innewohnt? Was Kunst ist, ist nur noch dem Begründungszusammenhang von Kunst zu entnehmen.[...]
Ich kann schon lange nicht mehr verstehen, wie man noch Objekte herstellen kann, wenn man einmal diese Leerstelle der Kunst begriffen hat.
Aber an der Städelschule, und an den meisten Akademien auch, wird weiterhin fleissig gebastelt und gemalt.
Müssten die Studenten nicht die Staffeleien in die Ecke schieben und anfangen zu lesen? Derrida, Bourdieu, Foucault, Buttler, Fanon, Said.....
Es ist kurios, aber in einem anderen Bereich ist das tatsächlich schonmal passiert, nämlich in der Visuellen Kommunikation. Ich erinnere mich noch gut, als ich, 1987, an der Hamburger Hochschule einen Kursus in Offset-Druck belegte, daß mir dort der Werkstattleiter, Harald Ehlers, erzählte, daß die VK-Studenten in den 70ern nicht mehr typografieren wollten, sondern Pampflete und revolutionäre Manifeste, auf wackeligen Schreibmaschinen verfasste Schriftstücke, als Diplomarbeiten abgegeben hätten. In den 80er ist das dann ins genaue Gegenteil (-> Neville Brody) umgeschlagen.
Aber es ist natürlich kein Zufall, daß das in der Visuellen Kommunikation aufgetreten ist, ein Bereich der sich ja immanent mit Mitteilung und Information beschäftigt. Die Reduktion auf die Botschaft an sich hat sich ja schon in der Ulmer Schule angekündigt. Design aufs Notwendigste beschränken.
Dieses Zitat macht ganz deutlich, wohin der Weg führen wird. Klar, ist nicht wirklich Neues, darum kann es auch nicht gehen. Die Konsequenz der Umsetzung macht hier die Qualität. Ich befürworte also entschieden das Prozessuale!
serverfestival ist folglich Aktion, Reflektion, Kontextualisierung, Historifizierung durch und von den Teilnehmern selbst. Das durchzuhalten bedeutet eine wirkliche (neue) Qualität.
Sab*
21 Aug 2002
Historisierung, aber wer macht's dann?
Ich denke, da sind wir uns alle einig, dass es eigentlich nur im Sinne einer Prozess orientierten Arbeit geht, ansonsten würden wir wirklich wieder Pinsel schwingen oder Skulpturen hauen u.ä. Doch beantwortet Deine Antwort-Frage-Antwort eigentlich noch nicht, wie wir mit dem, was wir machen, umgehen. Es kommt ja selbst bei meiner Schreiberei gerade in diesem Augenblick so etwas wie eine temporäre Setzung zu Stande. Darin steckt nicht Non-Sense sondern vielmehr eine hoffentlich nachvollziehbare Reaktion auf Deinen Einwurf und das Beck-Zitat. Also sehe ich die mediale Vielfalt erst einmal und vernachlässige das Einzelprodukt. Das ist mir schon im wahrsten Sinne des Wortes unheimlich zeitgeistig. Es ist vielleicht ein wenig spießig, aber aus meiner Perspektive als Kunstgeschichtler und Journalist, der in einem bestimmten Regionalblättchen gelernt hat, wurde ich genötigt, an den Leser zu denken. Der wiederum ist ja auch für unser sf von enormer Bedeutung, kreist das sf doch erst einmal um Web basiertes Arbeiten und dies in alltäglicher Praxis.Unheimlich an unserem Konstrukt ist nun, der unheimliche Output, den wir produzieren. Wie viele Texte sind schon durch die Liste gegangen, wie viele werden sonst wo publiziert. Natürlich spiegelt dies die Lage des distribuierenden, kollaborativen Arbeitens im Netz. Erfassbar ist das aber schon aus meiner Perspektive nicht. Und Oli Thuns beispielsweise kapituliert komplett vor der Theoretisiererei. Und das riecht nach Veranschaulichung einer der Hauptthesen, die Boris Groys nie müde wird, zu promovieren: Ist alles egal, wenn Du nicht alles gesehen hast. Es kommt auch gar nicht darauf an. Im Gegenteil, jeder Ausschnitt ist so angelegt, dass er gar nicht als Einzelwerk wahrgenommen werden kann!
oK, ich habe keine Probleme mit Groys, und vielleicht bin ich auch nur ein bisschen zögerlich, weil mir so manche Fragen ungereimt erscheinen: Denn wenn es nicht mehr darauf ankommt, ob das, was wir zeigen, was wir metaphorisieren, was wir praktizieren in gewisser Weise auch unseren Vorstellungen einer je verschiedenen Werteweise entspricht, dann verschwinden wir alle plötzlich in einem Sumpf aus Selbsthilfe-Kursus zum Thema "Netzarbeiter und ihre Freuden und Qualen", jetzt auch in Deinem Eso-Laden.
Nein, zynisch möchte ich gar nicht sein. Ich finde aber, dass wir die Chance haben, gerade konservativere Denkweisen (ich bin überhaupt nicht von Becks Äußerungen zu überzeugen, wenn er bei Duchamp Schluss macht, hat er sich noch n i e beispielsweise mit seinem Sehsinn auseinander gesetzt. Dies war in der Nachkriegskunst eine Wahnsinnsentdeckung (s. Josef Albers: Interaction of Colors)), die sich mit dem überholten Werkbegriff abmühen, genau in unsere, eher zeitgemäße Form des Denkens einzubinden. Diese Voraussetzung für eine Syntheseleistung muss mal erst einer ideologisch bieten ohne gleich gesteinigt zu werden. Ich denke, dass hier die Qualität von sf ist.
no(c)@mw
21 Aug 2002
Köntest Du den letzten Punkt durch ein Beispiel konkretisieren?Sab*
21. Aug 2002
Beispiele machen sich rar
Ich versuche zunächst noch einmal kurz zu skizzieren, wie sich in meinen Augen das sf abbildet: Im Zentrum ohne Zweifel die Mailingliste. Hier ist der eigentliche archimedische Punkt des ganzen Unterfangens. Dann gibt's die Projekte, die Webseiten. Die Projekte sind Angebote auch nach außen. Die Webseiten ebenso. Aber gleichermaßen sind sie das Zentrum, da hier erst Web basiertes Arbeiten stattfinden kann.
In welcher Relation stehen die Dinge nun zueinander? Offen gestanden weiß ich's nicht genau. Es ist eher in der Willenserklärung der Teilnehmer begründet. Und wie eng beispielsweise von der Idee her Wiesbadener influxus und Dortmunder artnet zusammen hängen, liegt an dem persönlichen Miteinander, wie Almut schon postete.
Was könnte aber nun für Besucher bei unseren Projekten interessant sein?
- Lurking in der Mailingliste: Da hier die meisten auch inhaltlichen Debatten um das Projekt stattfinden. Textsorte: Email, Qualität mal so, mal so. Durch die techn ische Struktur der Mailinglistensoftware wird natürlich qua Abonnement eine Bindung zum Projekt erzielt, die mit den Webseiten nicht so leicht zu erreichen ist. Dafür findet man nicht so schnell zur Liste, auch wenn sie auf allen Kanälen mittlerweile publik gemacht wurde.
- Die bewegten Webseiten: Andauernd neue Links (hab gerade noch mal ein paar eingebaut), neuer Lesestoff im blog, die Timeline.
- Das Partizipative: Files uploaden, überall den Einladungen zum Mitmachen folgen.
no(c)@mw
22. Aug 2002
Schuldigkeiten
Idensen in: Gendolla 2001, S. 249: "Durch das Aufnehmen, Speichern, Übertragen und Vernetzen von Bildern und Daten, die aus der Alltagskultur, den Bräuchen und Mythen der verschiedenen Volksgruppen gewonnen sind, entsteht ein allgemein zugängliches Archiv sozialer Gesten. Die Produktion, Reflexion, Bearbeitung der eigenen kulturellen Bilder und Visionen erzeugt einen >virtuellen elektronischen Kommunikationsraum< - eine >Community Memory< -, der einen Austausch mit fremden, direkt schwerlich kommunizierbaren sozialen Welten ermöglicht."
und S. 252 f.: "Das Private wird öffentlich - die Öffentlichkeit konstituiert sich nicht mehr über die Massenmedien, sondern durch Konversationspraktiken, die an mündliche Erzählformen und Praktiken, wie sie die oral history benutzt hat, anknüpfen."
no(c)@notmw
23 Aug 2002
Ich habe diese Wiki-Gespräch ganz absichtlich "Netzkunst am Beispiel des Serverfestivals" genannt, weil ich es zum einen als Versuch ansehe, eine (die) Position zu "Netzkunst" zu entwickeln, und zum anderen, bestehende Positionen zu hinterfragen. Beide Teile werden in der Mailingliste wenig bis gar nicht diskutiert. Das liegt sicherlich an der sehr heterogenen Zusammensetzung der Teilnehmenden. Diese Mischung ist mir sehr wichtig, weil "Netzkunst" nicht von einer Fachrichtung (Bildhauer, Toningeneur, however) besetzt werden darf. Auch denke ich, daß "Netzkunst" immer nur in kollaborativen Situationen entstehen kann. Also, daß bei Netzkunst das idealistische Künstlerbild (oder ist es das romatische?) vom allein schaffenden, sein Werk produzierenden Künstler hier nicht greifen kann. Die Bestrebungen der letzten Jahre, genau dieses Künstlerbild auf "Netzkünstler" zu projezieren (was von den entsprechenden "Netzkünstlern ja auch willig aufgenommen wurde) halte ich für total verfehlt. Hier trifft, du redest von "zeitgeistigem", genau das zu.Beim Serverfestival ist diese Vereinfachung der Teilnehmenden nicht möglich. Das heist nicht, daß hier Subjekte, die sich einer klassischen Berufsbildzuschreibung hingeben (ich bin Künstler, Kunstgeschichtler;-) von vornhinein ausgeschlossen sind: im Gegenteil, auch sie können und sollen teilnehmen. Das ist die Stärke (eine) des Konzepts (der Konzeptlosigkeit?).
Um nun die Qualität des Arbeitsansatzes "Serverfestival" zu erruieren bedarf es tatsächlich eines Schaubildes, welches die Handlungsebenen, Handlungsweisen, Zeitebenen und -abläufe veranschaulicht. Es darf dabei nicht vergessen werden, und das ist seit Anfang an mein Anspruch/Einwurf an alle, daß "Serverfestival" als "Netzkunst" nie ausschliesslich online sein darf, sondern auch offlinesein muss (s. Matzes geplante Taxis-Performance auf dem Parkplatz von Hartware). Erst durch die Einbeziehung realer sozialer Räume ("Wiesbadener Wohnzimmer") werden wir Tiefgang und, ganz wichtig, soziale Relevanz erlangen. D.h.: Kunst, die sich um soziale Relevanz ein Dreck schert ("Elfenbeinturm"), disst sich selbst ins Bedeutungslose.
Ein andere wichtige Bedeutung des Serverfestivals liegt im Netzwerken, so möchte ich es mal formulieren. Es entsteht meineserachtens gerade eine zarte Bande unterschiedlicher Netzaktivisten (so nenn ich uns mal vereinfachend), die sich in unterschiedlichen Kontexten zusammen setzen (wir beide haben uns zuletzt getroffen, um ein paar scripts auf dem Server zu installieren und um über das sf zu debattieren). Schon jetzt entstehen sf unabhängige Kooperationen und es bleibt abzuwrten und zu hoffen, daß diese Kooperationen (auch in wechselnden Zusammensetzungen) von Bestand sind.
26. Aug 2002
Netzkunst immer aus kollaborativen Situationen?
Ich sehe das nicht ganz so radikal. Ich denke, dass bei Netzkunst immer eine Netzbasiertheit als Grundkonsituens vorhanden sein muss. Aber ich denke auch, dass es Arbeiten geben kann, die einfach nur das Netz reflektieren und als Medium nutzen und thematisieren. Betrachte ich eine Arbeit wie "http://www.DieMystikerin.de" von Ilona Johanna Plattner, so fällt auf, dass Ihre Arbeit eine ganz eigene Stellung in ihrem Gesamtwerk einnimmt: Es ist so etwas wie ein Nachrichten- und Reflexionskern. Die Arbeit erweitert sich ständig, das geht mit Büchern nicht so leicht. Ganz zu schweigen von den Netz typischen Hyperlinks. Typografische Experimente mit einfacher Schreibmaschinenschrift sind sehr sehr netzgerecht. Dennoch fasst die Künstlerin hier keine kollaborativen Zwecke zusammen, ist auch nicht annähernd dem Projekt des sf verwandt, sondern lässt eine Domain zum Index ihres Lebenswerks werden, das auch eine Schaltstelle zum Verständnis desselben abbildet. Dem Netz eigene Elemente werden hierzu eingesetzt (z.B. aufgrund verschiedener formaler Elemente (refresh-Tag als Bedeutungsträger)) sehr geeignet ist.
Dennoch gibt hier es weiterhin ein Werk in traditioneller Form, das in seiner technischen Statik im Unterschied zum sf keine wirklichen kollaborativen Zwecke abzubilden vermag. Und da es sich massiv der Mittel des Netzes bedient, würde ich auch weiterhin von Netzkunst in diesem Zusammenhang schreiben, auch wenn es ein ganz konservatives Künstlerbild ist, das sich durch die Arbeit vermittelt. Ich stelle mich jedoch gegen jene Exklusionsmechanismen "DAS IST NETZKUNST DAS NICHT, WEIL HIER NOCH EIN KÜNSTLER DAHINTER STEHT". Es wäre mir zu dogmatisch, das was wir im sf praktizieren, als einzig wahre Netzkunst zu betrachten.
online / offline - reale soziale Räume
Das Arbeiten in realräumlichen Kontexten ist eine der Grundbedingungen, die wir bereits für das art.net.dortmund.de auf der konstituierenden Tagung im Mai 2001 festgeschrieben haben. Es ist eine Grundlage allen Schaffens, wenn man sich nicht als Vereinzelter im Kämmerlein nur den Sachen am Schirm direkt widmen will. Das kann zwar auch spannend sein, aber im Rahmen eines Projekts, das mit Momenten der Institutionalisierung spielt, halte ich den Einbezug von Offline-Räumen und das Arbeiten auch hiermit, das Thematisieren auch der Aneignungsstrategien für äußerst wichtig und vor allem anderen auch geeignet, um Diskurse zu beschleunigen. Das ist nicht unbedingt nur ein soziales Phänomen, sondern oftmals schlicht hilfreich, Wege zu verkürzen, Missverständnisse von Beginn auszuschließen. Zudem sind wir nun einmal nicht in einer wie auch immer gearteten Hollywood-Matrix gefangen. Und an diesen Orten im Diskurs liegt ja dann indirekt, und ohne dass es einer tiefschürfenden Theorie bedürfe, die soziale Relevanz des Projekts.
Als Fazit aus diesen beiden Momenten könnte man folgendes ziehen: Das Künstlerische des sf unterscheidet sich von bisherigen Netzkunstprojekten in zumindest zweierlei Hinsicht: Einerseits wird der statische Werkbegriff negiert, aber andernorts auch wieder internalisiert, so dass es ein sowohl als auch innerhalb eines sozialen Gefüges gibt. Das Werk ist einerseits die Zusammenarbeit, andererseits aber auch durchaus das Produkt: der einzelne Text, das Image, das Netzwerk, das W-LAN, Mr. Black etc. Zum anderen führt das sf jene hybride Strategie auch bei der Inanspruchnahme von Realraum fort. Ohne Realraum kein Netzwerkeln, keine Netzaktivität. In der Regel werden solche Strukturen als redundant oder beliebig tituliert. Kann sein, muss aber nicht. Ich denke, wenn man das Experimentelle daran preist, ist man nicht gerade auf dem falschesten Wege.
no(c)@mw
26 Aug 2002
Richtig ist es, den Begriff "Netzkunst" in Bezug zum sf nicht zu radikal zu verengen, da das einer Vereinnahmung der Teilnehmenden gleichkommen würde. Weiter oben habe ich ja auch die "Offenheit" des Projektes gelobt.Zurückkommend auf Dein Eingangsstatement könnte man das sf als eine Struktur begreifen, die Web basierte Kunst, Netzkunst (auch und gerade im Sinne von "Die Mystikerin"), Aktionen etc. zusammenbringt. Das wirft dann wieder die Frage nach der Bezahlbarkeit auf.
Wenn wir jedoch das sf als permanentes Festival begreifen, so wie in Kassel im Februar diskutiert, bekommt diese Frage einen ganz heiklen Beigeschmack, da dies bedeuten würde, daß wir das sf institutionalisieren müssten, denn mir ist bisher kein Geldgeber bekannt, der in ein amorphes Gebilde Geld reingepumpt hätte.
Wir werden also schon bald vor einer Für-und-wieder-Diskussion stehen, die ja von den artrelated Leuten schon angedeutet wurde.
Wie schätz Du hier die Gefahren ein? Welchen Weg hälst Du für sinnvoll?
Sab*
27 Aug 2002
Geld / Institution / Kunst
An dieser Stelle müssen wir - glaube ich - ein wenig aufpassen, damit wir uns in der Diskussion nicht allzusehr im Kreise drehen. Wir hatten die Frage nach der Institutionalisierung bereits zu Beginn, als ich die Frage nach der Relation zwischen transmediale und sf stellte. Dann hatten wir herausgearbeitet, dass wir nicht wirklich kompatibel zueinander sind, andere Ziele verfolgen, nicht wirklich Fetival sind und sein wollen. Es wurde auch schnell ein Haken in die Inhaltsecke geschlagen, was uns dann wiederum auf die Reflexion über Qualität in unserem Kontext brachte. Daraufhin wurde es - hinsichtlich des Status von Netzkunst - ein wenig allgemeiner. Und nun fragen wir uns wieder, ob wir uns institutionalisieren sollten oder nicht. Allerdings mit der sf typischen Erweiterung durch Deine Frage nach der Dauer: Das Serverfestival hat immer schon angefangen, um das ein wenig derridahaft zu formulieren.
Aus meiner Perspektive sehe ich zweierlei: Wenn ich mich organisatorisch in das Projekt verschreibe, promoviere ich bestimmte Aktionen, die in der Regel Geld kosten (Anreise / Übernachtung / Material ...). Dann bleibt, so meine gegenwärtige Erfahrung, kaum Zeit, um mich auf die beispielsweise von Rüdiger geforderte Ebene zu erheben, auf der ich wunderbar Beobachtungen zweiter Klasse über das Phänomen des Würfels machen kann. Denn es rennt mir leider die Zeit davon. Das heißt wiederum, dass in dieser Weise bereits eine Arbeitsteiligkeit vonnöten wäre, die einerseits ermöglicht, dass die Organisation des sf* fortgeführt wird, andererseits aber auch nicht der Diskurs einschläft. Ich merke, dass mir dieses Interview sehr viel Spaß macht und überdies blendend geeignet ist, meine Haltungen zu der Szene und der Netzkunst zu überdenken. Daher investiere ich in der Regel immer etwas mehr Zeit als vielleicht vorhanden, um zu antworten. Darüber hinaus möchte ich demnächst auch ein wenig mehr ins logbuch schreiben, und zwar eher aus der reflektierenden Haltung heraus. Auch das verlangt Einiges an Recherche. Da aber zudem das normale (Arbeits-)Leben abseits des sf auch weiter geht, frage ich mich, in welcher Intensität es möglich ist, an dem Projekt in dieser Weise zu arbeiten, ohne dass es wirklich schädigend wird.
Ich denke daher, dass es immer am Quantum des möglichen Engagements liegt, inwieweit wir das Projekt leben lassen. Dies ist keine Frage des Geldes, denn ich glaube - Du hast es ja schon vermutungsweise geschrieben -, dass es unmöglich ist, jemanden zu finden, der für das disparate Tun, was sich hier ereignet, ein paar Stellen einrichtet, die sich nur mit sf auseinandersetzen. Ich denke daher auch, dass wir getrost auf Insitutionalisierung verzichten können, auch wenn vielleicht die Reflexionen manchmal ein wenig zu schnell und zu oberflächlich laufen, der Charakter einer selbstbezweckten Spielrunde aufscheint oder ähnliches. Macht aber gar nichts, denn im Grunde steckt ja gerade in der Transitorik (welche wie oben schon geschrieben auch Dauerhaftes zulässt) die eigene Qualität des Projekts. Es bleibt immer in einem übergänglichen Status, dem der Permanenz. Was wird für dieses Vorhaben zudem noch benötigt, außer den Mitteln, die wir selbst besitzen? Nicht mehr viel. Das sf* könnte ja problemlos auch ohne die halbinstitutionalisierte Schiene qua Museumsnacht oder art.net.dortmund.de exisitieren. In dieser Wandelbarkeit, die man nun tatsächlich einmal herausformen sollte, liegt vielleicht noch ein Kern des sf.
* Ich beziehe mich hier nur auf den Dortmunder Part.
no(c)@mw
31 Aug 2002, Sab*
Könnte das sf wirklich ohne diese halbinstitutionalisierte Schiene qua Museumsnacht oder art.net.dortmund.de existieren? Ja, ist die Antwort. Und ein Jein hintendran, denn durch Deine Bemühungen (De:Bug als "Medienpartner") und die damit produzierte Mediale Reflektion (heuer ist es ersteinmal eine Ankündigung) bekomt das sf einen Dreh, der ohne diese Koppelungen (art.net.dortmund.de und vor allem Dortmunder Museumsnacht) so nicht zu erzeugen gewesen wäre. Dementsprechend wird das sf in der De:Bug so angekündigt:
72 Stunden Serverfetsival
Dortmund 27. - 30. September
Nach seiner kleinen Überblicksausstellung zur Software-Art sucht der Hartware Medien Kunst Verein nach neuen Schnittstellen und Veranstaltet ein Serverfestival. Auf der Gästeliste stehen unter anderem Menschen von influxus.net, n0name.org, betacity.de, radiostudio.org. Zudem ist man permanent online: streamt, tauscht und logt. Schnittstelle suchen und mitmachen.http//www.hartware-projekte.de
Mal abgesehen davon, daß dieser kleine Text eine Bündelung meiner schlimmsten Befürchtungen bedeutet (Subsumierung der Teilnehmer unter einen Teil des Ganzen, Zentralität -> Dortmund), formuliert er ja das krasse Gegenteil dessen, was wir hier diskutieren und vor allem: was Ende September praktisch umgesetzt werden wird. Nimmt man die De:Bug ernst, und was sollte uns daran hindern, denn sie ist ja Medienpartner, dann muss sofort eine Richtigstellung gefordert werden.
Dieses Beispiel illustriert auf sehr gelungene Weise die Schwierigkeiten des Unterfangens: ein hybrides Gebilde zu entwickeln, das weder über Kopf noch Schwanz verfügt, das nicht Ende noch Anfang kennt und doch auf schmähvolle Weise verstümmelt, verdreht und verwurstet wird. Natürlich muss man sich davon unbeeindruckt zeigen. Mir stellt sich dann aber doch die Frage: Wem gehört das sf? Wer ist das sf? und, die sicherlich wichtigste Frage: Wie wird das sf nach aussen hin dargestellt? Im Falle De:Bug jedenfalls ist die Vermittlung der Inhalte, Absichten und Intentionen gründlich schiefgegeangen.
War also die Koppelung an die Museumsnacht wirklich von Vorteil? Falsche Frage, denn es war ja immer erklärtes Ziel, daß die Teilnehmeneden autonom ihre Aktivitäten planen und umsetzen.
Hmmm, bin ein wenig enttäuscht.
03 Sep 2002
Besorgt!
Es geht mir nicht viel anders. Auch ich bin enttäuscht und hätte ein wenig mehr Leseverstand erwartet. Aber das bestätigt einmal mehr Deine Befürchtungen und Vorbehalte aus der Vergangenheit. Ich weiß noch nicht genau, wie ich verfahre. Ich denke aber, dass wir da etwas richtig stellen müssen. Ich sehe aber schon wieder eine Lawine von verbalen Problemen auf mich zu kommen, die einzig und allein aus dem Unbestimmten unseres "temporären Medienlabors" (Inke Arns) resultieren.
no(c)@mw
13 Sep 2002
Ich möchte mal wieder eine Wendung vornehmen. (Grundsätzlich begreife ich dieses WikiGespraech als eine fortdauernde spiralförmige Umkreisung des Themas serverfestival. Ich denke, daß wir nicht stringent und linear dieses Thema beakcern können, das Netz ist es ja auch nicht. Vielmehr bewegen wir uns von Knotenpunkt zu Knotenpunkt und da, wo noch keine Verbindungen bestehen werden sie von uns diskursiv erstellt.)
Mir kam nämlich der Gedanke, daß es sehr abträglich sein könnte permanent soetwas wie Netzkunst definieren zu wollen. Das sieht man ja an T. Baumgärtel: der strampelt sich einen ab...für nichts.
Was also ist am sf Kunst? Wie wird sie sichtbar gemacht? Ist das sf selbst Kunst oder eine Plattform für Kunst?
Würde zweiteres bedeuten, daß das sf doch in die Richtung einer Transmediale oder einer Ars Electronica tendiert?
Sab*
23 Sep 2002
Kunst, Netzkunst, Fasel, Netzfasel und anderes
Anmerkungen zum kunsthistorischen Status des Netz basierten Tuns und Hintergründe des serverfestivals
Immer wieder wird seitens der Teilnehmer und auch aus anderen Kanälen infrage gestellt, was das serverfestival eigentlich meint, welche Bedeutung es hat, was hier eigentlich passiert, welche Tragweite es haben könnte, welche Rolle es im Kunstkontext spielt. Und immer wieder wird gefordert, dass man sich strenger im Diskurs reguliert. So schlägt Rüdiger John beispielsweise eine Formalisierung der Texte nach bestimmten, von artrelated.net entwickelten Regeln vor. Detlev Fischer fordert eine genauere Untersuchung und Explikation der verwendeten Schlagworte (Anspruch, Arbeit, Vermittlung etc.). Darüber hinaus gibt es eine Reihe eher technikfeindlicher Statements, welche Technik und ihre Technologien nicht als Grundbestandteil und Bedingung für diese Art des Tuns ansehen. Der Diskurs läuft sich - so der Eindruck nach nun fast einem 3/4 Jahr intensiverer Beschäftigung - oft die Hacken nach einem griffigen Definitionsversuch ab und erschöpft sich vielfach auch darin.In diesem Falle ist es selbstredend logisch, wenn Du nochmals prinzipiell nach der Notwendigkeit einer griffigen Diskussion - vor allem mit Blick auf Netzkunst - fragst. Es gibt aber - und davon kündet die jüngste Staffel verschiedenseitig vorgetragener Polemiken - zumindest eine Abgrenzungsmöglichkeit. Ich beziehe mich hier auf Q oder kuprac und ihre/seine (?) Vorstellungen, wie sie durch die Liste geistern. Wenn ich dies falsch verstehen sollte, besteht ja die Möglichkeit zur Korrektur. Ich formuliere das so vorsichtig, weil ich die Geschichten, die seit einiger Zeit in die Liste gepostet werden, nicht sehr produktiv finde. Sehen wir alle Poetereien der jüngsten Zeit positiv, dann ließe sich beispielsweise über den Versuch von banalife sagen, dass es die Erfahrungen bei der Gestaltung der ersten eigenen Seite mittels zweier, markführender Softwareprodukte reflektiert. Ich frage mich, ob dies im Sinne unseres Projektes ist, in dem zweifelsohne die Technologien auch auf der Diskussionsordnung stehen, denn diese sind in der Regel Machtinstrumente (pathetisch), haben aber im Falle des Netzes einen durchaus open sourcigen Background. Und Formalistisch könnte man einwenden, dass hier eher noch die alte ecriture automatique reanimiert werden soll. Doch auch hier die Frage, wie es in unser Projekt passen könnte, haben wir doch mit dem Begriff des Servers eher einen metaphorischen Zugriff auf derartige Kunstäußerungen.
Das ist ein Punkt, den ich in Rückschau aufs Bisherige kritisch anmerken möchte. Das andere ist die gezielte Störrhetorik, deren künstlerischer Gehalt mir nicht wirklich einleuchtet. Das bedeutet, dass es in unserer gemischten Gruppe einerseits ein Kommunikationsproblem gibt. Dazu gehört auch, dass weder die Texte gelesen noch die Angebote - ich kann's nicht oft genug betonen - genutzt werden. Andererseits wird schnell dem Projekt vorgeworfen, dass ein paar verspielte "Boys" eine "Group" aufmachen, in der Zwischentöne im Rauschen der Kanäle untergingen. Ist das denn wirklich so? Liegt nicht eine gehörige Portion Larmoyanz und die Diktatur eines stop making sense in diesen sarkastischen Äußerungen? Ich denke, dass man bei den nächsten Veranstaltungen wohl doch stärker institutionalisiert. Sprich eine Jury verpflichtet, die nach ihren Kriterien die Teilnehmer auswählt. Andererseits stellte dies dann doch wohl zugleich den Tod des Projekts a la Februar dar. Ich habe prinzipiell nichts gegen die bis dato praktizierte Offenheit unseres Projekts, ich habe etwas gegen Ignoranz. Ich bevorzuge es, mich an kritischen Einwänden zu reiben, wenn ich danach gefragt werde oder auch nicht, ich denke aber, dass schlichtes Destruieren qua Unsinnschreiberei nur nervig ist.
Das führt mich sogleich zu dem Punkt, dass es mir vollkommen egal ist, ob das was wir praktizieren, Kunst ist. Eines lässt sich sofort konstatieren: Es fließt - neumodisch theoretisch geschrieben - nicht wenig kulturelle Energie hindurch, es bündeln sich ganz unterschiedliche Momente des gegenwärtigen Kulturschaffens auch als Spiegel einer Situation bzw. Lage. Alle Verunsicherungenn, alle diese erhinkten Metaphern und verstolperten Ideen, die über die Liste verbreitet werden, aber auch alles Technische, was plötzlich Kunst- bzw. KünstlerInnenwerkzeug werden soll, schreiben doch nur der Situation, die unsere Informationsgesellschaft bereit hält, eine weitere Extension zu, die es ohne diese Technologien und Kulturtechniken nicht gegeben hätte. Insofern rechnet sich das Unterfangen schon. Und es reflektiert zudem ja noch diese Situation. Lotet aus, wie man dergleichen urbar machen kann, strategisch den Markt kreuzend, beispielsweise. Daher bewegen wir uns, bleiben wir dabei, wie wir nun verfasst sind, nicht in Richtung transmediale oder ars electronica. Und ganz praktisch: Es geht hier schließlich immer auch um eine Demokratisierung der Medien. Als Credo immer noch: Jeder Mensch ist ein potentieller Provider.
no(c)@mw
14 Jan 2003
nun. das festival liegt hinter uns (und wurde über die liste doch recht ausführlich besprochen). es hat sich gezeigt, daß hinter kuprac karin hinterleitner steht (kuprac dann wohl eine "online-performance" war?), div. settings ausprobiert wurden und es verdammt schwer ist (derzeit?) ne "community" am leben zu erhalten.
ich habe auch das gefühl, daß (zumindest ich) mit "meinem" ansatz ein wenig in die leere gelaufen bin. am erhellendsten fand ich die tagung im dezember (bbk-hotspot), bei der nochmals kurd und antje recht anschaulich ihren künstlerischen standpunkt am beispiel des netzkunstwörterbuchs aufgezeigt haben. zwei wesentliche aspekte sind von besonderer bedeutung: in der conversationskunst (als vorläufer/weiterführung der netzkunst, s.a.: VonDerDatenkunstZurNetzkunst) wird nicht produziert (im herkömmlichen, künstlerischen, sinne) und die unterscheidung zwischen kunst und publikum gibt es nicht. projiziere ich beide punkte auf das serverfestival, dann sage ich: eben, genau darum geht es. damit werden wir auch die frage dem nach "publikum" (also "festival" im tradierten sinne) los.
resümierend stelle ich fest: serverfestival hat das potential die tradition bzw. den "radikalen" anspruch der conversationskunst mit den aktuellen mitteln des internet und der computertechnik fortzusetzen bzw weiterzuentwickeln. vor allem durch die vielfältigen kontakte, treffen (on- und offline) kann ein enges netz geknüpft werden....aber ich träume schon wieder ...
Sab*
16 Jul 2003
Wer ist kuprac
In der Hitze des heutigen Tages kann man kaum denken. Als ich nun aus fast schon nostalgischen Gründen ins Borderline-Wiki geschaut habe, fiel mir auf, dass wir noch nicht die Kuprac-Frage geklärt haben. Ich weiß ja nicht, ob es sich wirklich hierbei um Karin handelt. Ich habe leider im Juni versäumt, sie danach zu fragen. Dabei war sie schon zum 404 Kongress in Dortmund. Aber ich denke, dass man sich schon demnächst wieder beim Wizard of OS begegnen wird.
Soviel als Einstieg.
no(c)@mw
16 Jul 2003
Wer ist Kuprac? Nun, eigentlich ist die Frage nicht wirklich von belang. Fakt ist, daß es Kuprac virtuell gab (für kurze Zeit) und das er/sie nun verschwunden ist.Diese kurzen, Situationsbezogenen Interventionen gibt es ja häufiger in den kunstbeflissenen virtuellen Bereichen. Ich erinnere hier an die KASPERL postings auf Thing Frankfurt oder zuletzt das posting von Nick Noname (dessen realer Name uns bekannt ist).
Wie bewerten wir das, was Kuprac tat?
Wichtiger finde ich aber für unser Gespräch, die Veränderungen seit dem Festival 2001 zu diskutieren und zu bewerten. Stichworte mögen hier sein: mutual, Listentreffen, Wiki, Koaktivität.
sab
30. Jul 2003
Mutual, koaktiv K.O?
Es ist ein großer Schritt in angenehmere begriffliche Kontexte, wenn wir von Mutualismus und Koaktion sprechen. Ich habe mal kurz in den Lexika vor Ort nachgeschaut und festgestellt, dass mir der Begriff des Mutualismus, so wie er in der jüngeren Biologie geprägt worden ist, besonders gefällt. Angenehm daran ist die metaphorische Übertragung im Rahmen des Paradebeispiels der Forscher von der Ameise und den Blattläusen. Das hört sich eventuell ein wenig überdreht an. Doch ich möchte keine Infantilisierung produzieren, die in irgendeiner Weise irgenwann bei den Bienen landet. Jedoch zeigt uns dieses Beispiel ganz deutlich, welche Übersetzungsleistungen innerhalb von Verstehensprozessen notwendigerweise Arbeitsstrukturen produzieren können. Denn die Ameise hat es nicht nötig, die Laus zu melken, so wie die das nicht braucht, gemelkt zu werden. Daraus entsteht für beide ein Mehrwert, der eigentlich Luxus ist. Nenne ihn ruhig Kultur.
Ich würde mich auch gern noch bei der Gelegenheit ein wenig in die Richtung der Gattungsbegriffe künstlerischen Schaffens bewegen. Bislang - scheint es mir - waren wir uns alle relativ einig, dass wir uns im Feld der bildenden Kunst bewegen. Leute aus diesen Kontexten haben interessanterweise immer die Angewohnheit, alle anderen Künste zu vernachlässigen und lediglich die Bildnerei unter Kunst zu subsumieren. Daher resultieren definitorische Zirkeleien, wie sie bei der Erklärungsnotstandsdebatte um den Begriff des serverfestivals auftauchten. Aber was ist halt mit den ganzen Tänzern, Musikern, Literaten, Performern etc., die auch im Netz arbeiten?no(c)@mw