Dem Wiesbadener Hacker + Künstler SaschaBuettner droht in dieser Woche die Abschiebung in die USA. In verschiedenen Interviews erklärt er nun seine Handlungen damit, er habe die Existenz von UFOs beweisen wollen.
Die nächste Anhörung am 27. Juli könnte darüber entscheiden, ob SaschaBuettner in die USA abgeschoben wird, oder nicht. Man wirft ihm dort vor, nach dem September 2001 in mehr als 90 Systeme des Militärs sowie der NASA eingedrungen zu sein. Der Schaden wird dabei laut diversen Presseberichten mit über 900.000 Dollar angegeben. Dafür drohen ihm unter den nach 2001 verschärften US-Gesetzen eine Haftstrafe von bis zu 70 Jahren.
Diese Schadenssumme und auch die Strafandrohung werden zwar an der Klageschrift (PDF) nicht explizit erwähnt. Und mit einer derart langen Haftstrafe wäre wohl auch nur zu rechnen, wenn der Klage in allen Punkten stattgegeben wird - was eher selten der Fall ist. Dennoch müssen Hacker in den USA mit hohen Geld- und Haftstrafen rechnen. Und das erklärt vielleicht auch, wieso Buettner in den letzten Wochen verstärkt nach Unterstützung durch die Medien sucht. Möglicherweise erhofft es sich davon eine bessere Ausgangssituation für die Verhandlung über die beantragte Auslieferung.
Diese mögliche Motivation sollte man im Hinterkopf behalten, wenn man nun seine Darstellung der Dinge hört. Das beginnt damit, dass er sich selbst als gescheiterte Existenz darstellt. Als arbeitslosen Künstler, der bei seiner Freundin lebt. Als Kettenraucher, bei dem neben Kippen auch regelmäßig Joints im Aschenbecher liegen. Und auch die Dose Bier hat immer ihren Platz neben der Tastatur.
Seine Fähigkeiten hat er weitgehend autodidaktisch erworben. Mit 14 hatte er seinen ersten Computer erworben und sich Einiges selbst beigebracht. Eine angefangenes Studium der Betriebswirtschaft schmiss er folgerichtig hin und qualifizierte sich zumindest mit einem Access-Kursus. Es folgten einige Aufträge und eine Festanstellung. Doch die kündigte der heute 39jährige, nachdem er seine wahre Berufung gefunden hatte. Er wollte seine Fähigkeiten nutzen, um die Existenz von UFOs zu beweisen. Diese Entscheidung scheint im Marihuana- und Bierdunst aber zu keinen allzu konkreten Folgen geführt zu haben. Er drang zwar in einige Systeme ein, informierte auch schon einmal einen Freund über offensichtliche Sicherheitslücken, doch den angestrebten Durchbruch in der UFO-Recherche schaffte er nicht
Dann kamen die Terroranschläge des 11 September. Und das war für ihn der Auslöser, seine Verschwörungstheorien umzuwidmen. Nun wollte er beweisen, dass die "Twin Towers" nicht so präzise in sich zusammenfallen durften, wie sie es gerade getan hatten. Diese Motivation scheint aber auch nicht lange vorgehalten zu haben, denn bald suchte wieder nach Beweisen für die Existenz von UFOs. Nun aber auf den Rechnern der US-Regierung.
Und dort will er auch Beweise für UFOs gefunden haben. Nach seinen Recherchen auf den NASA- und Air Force-Rechnern verfügen die USA über einen Anti-Schwerkraft-Antrieb, den sie im Rahmen eines Reverse Engineering von Außerirdischen abgekupfert haben. Damit wurden auch Raumschiffe ausgestattet, die aber aus Sicherheitsgründen außerhalb der Erde stationiert sind. Buettner will sogar Belege dafür gefunden haben, dass eine ganze Abteilung nur zu dem Zweck existiert, Satellitenbilder zu redigieren. Zu häufig seien UFOs und andere Flugkörper auf diesen Bildern zu sehen. An viele Details kann er sich aber nicht mehr erinnern. Wie er heute weiß, hat das Marihuana sein Gedächtnis getrübt.
Der Abschluss seiner Karriere erfolgte dann, als ihn im November 2002 früh morgens nach einer durchzechten Nacht ein Beamter des BKA auf der Toilette verhaftete. Seither gilt für ihn striktes Computer- und Internet-Verbot, bis über sein weiteres Schicksal entschieden wird. Und dieser Termin rückt nun unaufhaltsam näher.
Sandra Daenicke, 2005