Liebe Wittenberger,
ich habe leider den Eindruck, daß Ihr gestern etwas falsch verstanden habt. Wie könnt Ihr denn nur auf die törichte Idee kommen und den Kanzler mit frischen Eiern bewerfen? Demokratie, das wissen wir, hat nichts mit ungehobeltem Benehmen zutun. Schon in der Schule wird gelehrt, daß der Mißbrauch von Nahrung ein grobes Fehlverhalten ist und zum Schmoren in der Hölle führt, wenn nicht auf der Stelle Abbitte qua 30facher Rosenkranzlitanei geleistet wird (Äquivalente Bußformen gibt's ja in jeder Religion bzw. jeder Form von (Un)Gläubigkeit, Sie wissen schon alle, was ich meine).
An dieser Stelle ein Tip: Laßt die Finger von den frischen Eiern. Denn ich unterstelle, daß Ihr sehr unvorbereitet gewesen seid und vor der Ankunft unseres Oberreformers schnell ins Kaufland eilen mußtet, um Euch mit Eiermanns Billigsten zu versorgen. Doch es sei wie es war - diese Eier waren der Rohstoff, aus dem ein Tag fröhlicher gemacht werden sollte, und ihre Schwestern sollten es wieder sein.
Denkt immer daran, daß jedes Omelette, jedes frische Fünfminutenei zum Frühstück glücklicher macht, als ein Wurf auf die Matte des BRD-Managers. Beglückt lieber Eure Lieben mit einem frischen Ei für den guten Start in den Tag. Schmiert 'ne Schnitte mit Rama und dick Marmelade dazu und, na ja, da wir ja nun alle länger und härter für weniger Geld und Freizeit arbeiten müssen, kommt bestimmt die Gelegenheit, wo Ihr beim Blick in den Kühlschrank feststellt: Ooops, da hamwa was vagessen zu essen. Isses nicht dies, was Ihr gestern eigentlich gebraucht habt?
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