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MargiNalie20040820001

Bekenntnis eines Unverbesserlichen

Ich glaube nicht, ich weiß, daß Kulturarbeit wichtig ist.

Ich weiß, daß Krieg nicht die Mutter aller Dinge ist.

Ich weiß, daß Kultur im Krieg aufhört. Ich weiß auch, das Angesichts des Äußersten der Grad an Kultur bei den Schwächeren sehr hoch ist. Und das Verlangen nach bürgerlich tradierten kulturellen Werten ebenso.

Jeder weiß, daß Kultur heute nur noch für die Kryptooligarchen definiert wird und dabei der Rest der Menschen zu Eintrittsgeldzahlern und sonstigem Zahlenwerk diffamiert, degradiert und veralbert wird.

Ich weiß, daß die Gesellschaft so nicht mehr auf ein Rückgrat an Geschichte und Bildung bauen kann, wenn sie sich vollständig hinter ihrer Buchhaltung verschanzt.

Ich weiß, daß der Begriff des Dienens seitens der Kryptooligarchen zum verschwinden gebracht worden ist. Keine Aufführung avancierter Kunst schafft es mehr durch sogenannte Räte, wenn der Sponsor meint, daß an sein Bein, und sei es nur symbolisch, gepinkelt würde.

Ich weiß, daß die Medien uns in der Regel diesen Quatsch auch noch verkaufen möchten. Am schlimmsten gerieren sich in diesem Kontext leider Formate wie die Tagesschau oder Aspekte, die niemals über den Horizont ihrer korrumpierten Öffentlich-Rechtlichkeit zu schauen vermögen.

Ich weiß, daß Kultur eine stärkere Stimme braucht, und ich weiß ganz genau, daß uns der Glaube an bessere Zeiten da nicht weiter hilft.

Ich weiß, daß die Kunst nur zum Schein so tut, als sei sie politisch. Damit aber biedert sie sich den Vorstandsetagen an und beruhigt die Gewissen aller. Ich weiß, daß es so nicht geht.

Ich weiß, daß eine Gemeinschaft von Kulturschaffenden Stärke produzieren kann, wenn sie sich von ihren Gegenständen und dem erbärmlich wirkungslosen Display von vermeintlichem Real Life fortbewegen würde und wirklich einmal gemeinsam den Strukturwandel des Denkens im Realen ohne Kunst aufnehmen könnte.

Wir müssen den inneren Krieg durch verstärkte Re-Demokratisierung abwenden. Es gibt keine Alternative. Künstler haben auch nur eine Stimme am Wahltag. Aber das reicht nicht. Aktionen sind gut, Gemeinschaften bilden und in der Gesellschaft arbeiten auch.

Ich weiß, daß das viel verlangt ist. Ich möchte dabei nicht allein sein. Wer arbeitet mit für mehr Menschlichkeit und Verteilungsgerechtigkeit?

no(c)mw 2004

20.08.2004 · MatthiasWeiss · r1