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MargiNalie20040818001

Unwort - Unwelt

Warum hier nichts mehr so läuft, wie uns Schröder weiß machen möchte.

"farinurlaubgerd"

Er ist wieder da, back from the Schröder Road Show, und er erzählt uns, dass es ja keinem an die Tasche geht. Er tradiert den Mythos des Arbeitsamen, und das schlimme ist: Ja, wahrscheinlich hatte er keine Ruhe, keine Ruhe wie wir, wenn wir in den Urlaub fahren. Doch, ach, er redet so, als wäre das „Volk“ der Adressat seiner Worte, aber glauben kann ich ihm nichts. Herr Schröder ist aus dem Urlaub zurück. Schön, dass er wenigstens noch in den Urlaub fahren kann. Das ist schließlich nicht jedem vergönnt. Aber ach, mit welcher Mutlosigkeit man wieder einmal zurück bleibt, wenn man die ewig gleichen Versprechungen zu hören bekommt. Das immer wieder kehrende Gesülze. Und dann krepieren seine Witze über Lafontaine in der Bundespressekonferenz derartig, dass selbst der DLF nicht versteht, warum alle Journalisten lachen.

Schröder ist das maschinisierte und Klischee gewordene Symptom eines durch Kohl und Co. zugemüllten Betriebssystems namens Bundesrepublik, was mit der Speichererweiterung Ost leider nicht umzugehen verstand. Kohl hat die Realität ganz postmodern der Virtualität geopfert, sprich aus Wirklichkeit Wunsch geformt und derart handeln lassen, und Schröder glaubt, dass es mit einer einfachen Sozi-Opposition so weitergehen könnte. Tja, dumm gelaufen. Es ist an der Zeit, dass wir uns schon mal darüber im Klaren sind, dass bald eine Rolle passiert, die so derart nach vorn in die Realität geht, von der wir uns aber noch keine Vorstellungen machen.

Bereits jetzt zittern beispielsweise die Märkte vor den Instabilitätsproduzenten wie China. Bitte, fragen Sie Schrotthändler, die für große Unternehmen einkaufen. Wer bekommt heute die Zuschläge für große Chargen? China? Klar. Dort hat man den Turbokapitän eingeschaltet. Dort weiß man, wie man durch die Pervertierung der mindestens 100 Jahre vorgelebten kapitalistischen Strukturen alles dem Erdboden gleich machen kann. Und es wirkt. Und was wird bald wirken? Was wird wirken, wenn die letzten Schranken Anstand, Geschäftsgeist und Unternehmungslust hemmungsloser Bereicherung gewichen sind?

Offenbar ist (wahrscheinlich „Unwort“ des Jahres 2004) Hartz IV (was immer das linguistisch meinen könnte) das unbeholfene Festhalten an der Dummheit der Ausbeutung. Da kann man doch nur sagen: Fort mit dem Mist. Wer möchte denn nicht GUT leben? Wem ginge es nicht besser, wenn das, was er zu sich nähme, Verbraucher nah produziert worden wäre. Wenn jeder Mensch das Recht hätte, sich auf der Basis ökologischer Wertgewinnung (nicht Mehrwertabschöpfung) bereicherte an dem Genuss des Teilens, Miteinanders, an dem Luxus guter Lebensmittel, die weder Pestizide noch Gen verfremdet sind? Das System, und dabei spielt Paranoia keine Rolle, denn um Märchen und Belletristik geht's längst nicht mehr, vergeht sich in Abgründe Menschen, Natur und Welterbe verachtender Partikularinteressen, und viele spielen dabei mit. Doch längst zeigen uns Nachrichten, dass das Spiel aus ist.

Schröder kommt aus dem Urlaub und weicht keinen Millimeter von den Vorgaben nach Hartz IV ab (hierzu ist es im übrigen extrem notwendig, sich das Unisono der klassischen Volksparteien zum Thema zu vergegenwärtigen). Er ist sich nicht bewusst, dass es gar nicht so sehr um die viel beschworene Sache geht, sondern um die schwerste Erschütterung des Demokratieverständnisses durch die Mitbürger seit Bestehen der Republik (Stichwort Wahlbeteiligung). Es ist soweit: Die Regierung schafft es nicht mehr, die Krisen als Mittel für die Herstellung von Ruhe als erster Bürgerpflicht zu funktionalisieren und zu integrieren. Der intrinsische Stabilitätspakt der Lüge und des immanenten Kolonialismus liegt offen und ist als Infamie entlarvt. Die Vorstellung einer Demokratie, welche durch den korrupten Missbrauch von Parteien und ihren Partikularinteressen diffamiert und ad absurdum geführt wurde, ist bankrott, hat abgedankt. Zeit für den Wechsel bevor Ende = Aus. Er kann behaupten, was er will: Nichts ist mehr so, wie es noch in der ersten Legislatur gewesen war.

no(c)mw, 18. August 2004

18.08.2004 · MatthiasWeiss · r2