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SelbstOrganisation

Vorab: Die Verhältnisse

Folgt man Marx, dann besteht die gesellschaft nicht aus individuen, sondern drückt die summe der beziehungen, verhältnisse aus, worin diese individuen zueinander stehen. Diese verhältnisse geben eine bestimmte realität vor, an die sich die einzelnen halten müssen, wollen sie innerhalb dieser verhältnisse bestehen. In einer gesellschaft, die auf warentausch beruht, muss jeder der logik des tausches folgen, wenn er überleben will. Für den künstler bedeutet dies, daß er waren (werke/arbeiten) produzieren muss, um diese dann tauschen zu können.

Innerhalb der Verhältnisse

Gegen die Verhältnisse

Diskussion

der eingangstext dieser seite stellt klärend dar, in welche beiden richtungen der begriff bzw. das vorhaben "selbstorganisation" der künstler diskutiert und verstanden werden muss: eben innerhalb der verhältnisse; letzlich bejahend. oder gegen die verhältnisse. die grosse masse der deutschsprachigen künstler werden sich der gruppe der bejaher zuschreiben. dort werden sie in aller regel unterschiedliche positionen einnehmen. das kann anfangs die rolle des rebellen / kritikers sein, später dann die des "gemachten mannes". manche bleiben einer rolle ein ganzes künstlerleben treu. diejenigen, die sich gegen die verhältnisse wehren, sie angehen oder bekämpfen, schlieszen sich irgendwann einer der zahlreichen gruppierungen an, die von sich sagen, daß sie dem revolutionären projekt folgen. je nach ausrichtung der gruppe, kommt der künstler dann von seiner rolle weg (aufhebung des spezialistentums / aufhebung der kunst) oder er kann als spezialist weitermachen (im dienste der revolution).

der großen ersten gruppe bürdet das herrschende bürgertum eine perverse mimikri auf: man verlangt vom künstler für das schöne gute wahre einzutreten. sich gleichzeitig von jedwedem popanz oder reichtumanhäufung fernzuhalten. man verlangt vom künstler eine form des idealismus, der un-menschlich ist. diese anforderung an den künstler entspricht einem einzigen wunsch des bürgertums an die kunst: den der repräsentation.

dieser anspruch an die kunst und die künstler führt zu dem kunstsystem, wie wir es kennen: ausbildung des nachwuchses an den akademien (unter ausblendung betriebswirtschaftlichen wissens); entlassung der probanten auf den kunstmarkt. "erfolg" oft nur durch verknüpfung mit meistern, die als pseudo-mentoren bzw. lichtgestalt auftreten. diese meister sind die professoren an den akademien.

gruppenbildung ist hier die einzige möglichkeit, gegen oder ausserhalb dieses abhängigkeitsgeflechts, zu erfolg zu kommen. die clique um siekmann und creischer mag hier als paradebeispiel gelten. in den neunzigern haben diese die "messe2ok" in köln mitorganisiert. an die spitze dieser "bewegung" setzten sie sich dadurch, daß sie den reader organisierten. siekmann/creischer konnten im weiteren diesen ruf des "anderen" künstlers, des poltischen künstlers, aufrechterhalten und haben es mittlerweile zu teilnahmen an leuchtturmprojekten (documenta, generali, münster) geschafft.
TopicClassification
BEG

09.09.2007 · SaschaBuettner · r3