-- SaschaBuettner - 25 Mar 2006
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(der zitierte lingner ist michael lingner?)
zum kurztext:
sicherlich hat die postfordistische produktion folgen auch und gerade im bereich der kunstproduktion gezeitig - jedoch würde ich hier eher argumentieren, dass die künstler als vorreiter einer subjektivierung dienten, die dem arbeiter vorgaukelt er sei nicht länger von den produktivkräften getrennt. also der künstler ist nicht nun letztendlich auch noch teil der postfordistischen abeitsorganisierung geworden, sondern seine moderne romantisierung ist genau dasjenige ideologische modell an dem sich nun abhängig beschäftigte orientieren sollen.
daraus entstehen gesellschaftlich absurde härten: künstler sollen ihren gesellschaftlichen mehrwert nachweisen und angestellte ihre freiheit vom beschäftigungsverhältnis.
die politisierung des modernen künstlersubjektes durch die avant-garden, sprach ( wo sie sich mit der eigenen rolle innerhalb der industriellen massenproduktion auseinandersetzen) dem künstler eine macht zu die ihn systematisch vom arbeiter oder allgemeiner von produzenten auf anderen gebieten, unterschied: im gegensatz zu den anderen produzenten war der künstler nicht getrennt von den produktionsmitteln. der künstler selbst ist ein berufsbild innerhalb der arbeitsteilung aber seine tätigkeit begleitet das produzierte objekte von planung bis realisierung.
genau diese freiheit von der mehrwertproduktion (im feld der kunst ideologie ebenso wie chance) wurde im laufe der postfordistischen produktion zum stereotyp der allgemeine produktion ausgeweitet (und hier gewalt): das klassische modell der fordistischen fabrik, des sozialzusammenhangs arbeitsplatz wurde ersetzt durch scheinbar selbständige beschäftigungen - eigentlich bloss eine multiplizierung und verfielfachung der abhängigkeitsverhältnisse.
einschub:
marx beschreibt im kapital band I die "ursprüngliche akkumulation" also sozusagen die urbarmachung der welt für die kapitalistische massenproduktion. der zentrale punkt dieser urbarmachung besteht darin die produzenten von den produktivkräften zu trennen und sie so zu nötigen a) ihre arbeitskraft auf dem freien markt anzubieten und b) ihre eigene arbeit als entfremdet wahrzunehmen, ihr also keine sinn mehr beimessen zu können, da das produkt der arbeitsteilung vom standpunkt des spezialisierten handgriffes des einzelnen produzenten nicht wiederzuerkennen ist.
wie im warenfetischkapitel dargestellt, treten in der kapitalistischen arbeitsteilung dem arbeiter die produkte der eigenen arbeit als quasi natürliche gegenstände, als waren, gegenüber.
einschub ende
der postfordismus legt, wie im herumgesandten abschnitt ja festgestellt, die verantwortung der produktion - nicht aber ihre mittel - in den schoss der produzenten. durch die prekarisierung der arbeit, die vielbeschäftigung, das deskilling und die erzwungene chaotisierung der lebenswege wird aus den "abhängig beschäftigten" des fordismus, scheinbar frei umherschweifende produzenten des postfordismus - deren abhängigkeit sich jedoch nur noch verstärkt hat. zum einen weil die trennung vom modell der firma die solidarität unter den arbeitenden in fetzen reisst, zum anderen weil diese individualisierung des arbeitskampfes seine quer über die erwerbsmöglichkeiten verteilten lohnarbeiten als in die position bringt ihre unterschiedlichen tätigkeiten als immateriell wahrzunehmen, als unverbunden, völlig vom material unabhängig und sinnlos...
ich glaube daher nicht, dass der übergang von der vereinzelung der produzenten in die 'prostitution' führt: seinen körper als arbeitskraftbehälter verkaufen menschen seit beginn des kapitalismus, sondern dass die individulaisierung der arbeitsverhältnisse wie auch der künstlerbiografien das körperliche aus der produktion verschwinden lässt. es taucht auf - aber als brand, als marke als oberflächenstruktur. die postfordistische vereinzelung führt zu einem verschwinden der realen produktion unter den oberflächen: auf die sich ebenso die ideologischen anfeuerungen von staatsseiten richten wie auch häufig die 'kritischen' gegenmodelle. der kampf um die oberflächen bleibt ohnmächtig.
wo das firmenmodell - wie bei den arbeitskämpfen der 1970er gerade in Italien, aber auch noch in deutschland - noch die möglichkeit der aneignung, der übernahme in aussicht stellte wird auch das konzept der aneignung in der prekären beschäftigung individualisiert, zerteilt. es werden fragmente angeingent, bruchstücke - und eben diese politik der bruchstücke lässt das system kapitalistische produktion unangetastet. es bleibt an der oberfläche, bleibt reformistisch.
-- kerstin stakemeier - 27 Mar 2006 - 23:16
s.a.: RanD060327