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Was ist das Serverfestival?

eine sich selbstbeschreibende versuchsanordnung. eine tautologie. es ist ein waberndes theoretikum. und immer das, was sich im sf-wiki, auf http://www.serverfestival.net findet und in der dazugehörigen maillingliste findet.
-- SaschaBuettner - 26 Oct 2004

das serverfestival ist eine visuelle textspur. das serverfestival ist die infragestellung der festivalkultur. das serverfestival ist für alle da, und das genau macht den unterschied. der zugang ist der zugang zum world wide web. -- GuidoBraun - 28 Oct 2004

Vielleicht noch mal grundsätzlicher: das sf hat also nix mit It-Nerds zu tun, die irgendwelche server connecten, sehe ich das richtig? Und der Begriff des Festivals zielt als Referenz vor allem in Bereiche wie Visuelle Medien/Kunst/Medienkunst etc? -- BerndSeib - 28 Oct 2004

Was sind Bilderebbe bzw. -flut?

zu bilderebbe mußt du matze schmidt (n0name) befragen. bilderflut ist das hier (s. attachment)

bilderebbe gibt es nicht -> es gibt keinen mangel im realen; frei nach lacan. die bilderflut ist die gesamtheit der bilder auf papier oder in form von bilddaten in kameras, auf rechnern oder webservern, die keinen bewertungs- oder ausschliessungsstrategien unterworfen ist. die bilder überfluten das netz und seine bewohner / benutzer. -- GuidoBraun - 28 Oct 2004

also ist eurer ansicht nach das web ein bildmedium? überfluten texte das netz und seine user nicht viel stärker als bilder, zumindestens quantitativ? -- MartinBrust - 02 Nov 2004

ob viel stärker, mag ich nicht zu beantworten. aber du hast grundsätzlich recht, wobei ich auch das bild und die bildinhalte / formalen bild-bedingungen als textuelle strukturen auffassen würde. ebenso können wir darauf verweisen, dass auch die bildübertragung im netz (html / e-mail) ein textueller vorgang, slrich: die übertragung von zeichenketten ist. so lassen sich beispielsweise auch textbotschaften in bilder eincodieren; aktuell wird dieser fall bei den virenprogrammen, die in jpgs eincodiert sind und beim handling des bildes ausgeführt werden. – auf der anderen seite ist das serverfestival per definitionem dieses jahr ein event, das sich primär mit dem visuellen bild auseinandersetzen möchte (auch wenn das natürlich eine globale ausgrenzingsstrategie vorstellen mag). also heute so und morgen anders. alles auf einmal geht (leider) auch nicht. -- GuidoBraun - 02 Nov 2004

Wer ist Susi Meyer und wie verhält sich die Domain serverfestival.de zu serverfestival.net?

Susi Meyer beteiligte sich am serverfestival2002 mit der these, die fortan zum allgemeingut des serverfestivals gehört, dass serverfestival immer sei. dies unterstrich sie mit der anektion der domain serverfestival.de. diese anektion wurde nicht von allen gutgeheißen, zumal die tld "de" nicht wirklich in das konzept serverfestival passt, da sich das sf als nicht-national versteht! susi meyer gründete für das sf2002 die legendäre streaps-band, eine rein virtuelle boygroup, die für proben und auftritte streaps nutzte. mehr zu streaps hier: https://www.streaps.org
die identität von susi meyer ist mir unbekannt. sie ist eben susi meyer!
-- SaschaBuettner - 26 Oct 2004

ich kenne susi meyer nur als susi meyer persönlich (?); susi ist unter verschiedenen identitäten küntlerin in und ausserhalb des netzes, arbeitet als musikerIn, radiomacherIn und top-terrorIstin. -- GuidoBraun - 28 Oct 2004

Auch wenn wenn Susi Meyers NET-BOY-GROUP, als erste Band auf Streaps spielte*, ist die Streaps Band, bekannt auch unter dem Namen The Streaps und The Invisible Streaps Band, ein anderer Haufen von gescheiterten Möchtegernrockmusikern, die seit 2003 mit High-Latency-Live-Performances auftreten.

* Weder taucht der Name Susi Meyer in der Netzliteratur in Verbindung mit Streaps und NET-BOY-GROUP auf, noch ist ein Zuhörer dieser Proben und Auftritte bekannt. Hinweise bitte im Streaps Wiki hinterlegen. -- StreapsBot - 06 Nov 2004

Welche Ziele verfolgt SF/Bilderflut?

das ziel ist die infragestellung des wahrheitsgehalts einer information, die per institutionalizitärer prägung als wahr testiert wurde. das bedeutet, wenn so viel fälschungen im netz kursieren - texte, spuren, bilder, filme - dass die echtheit einer echten nicht mehr angenommen wird. es ist die totale redundanz. -- GuidoBraun - 28 Oct 2004

und wie wird dieser wahrheitsgehalt in frage gestellt? schon einfach dadurch, dass das sf nicht-institutionell ist? oder dadurch, dass bilder nivelliert, unkommentiert und nicht in einem wertend-klassifizierenden setting aufbereitet neben vollkommen beliebigen anderen bildern stehen/auftauchen? oder wie? -- BerndSeib - 28 Oct 2004

der wahrheitsgehalt wird im theoretischen diskurs, der im rahmen des serverfestivals angeregt werden soll (und darüber hinaus) erarbeitet. beispiel: ein bild wird "hübsch gemacht", bevor es in der zeitung gedruckt wird. das beginnt bei drucktechnischen anforderungen an ein bild und endet nicht mit dem wegretouchieren eines hässlichen pickels auf der nase einer königin. die frage ist, ab welchem grad einer änderungsmasznahme ein bild nicht mehr als wahr anzusehen ist. -- GuidoBraun - 02 Nov 2004

und vor allem: warum soll der wahrheitsgehalt einer information auf biegen und brechen in frage gestellt werden? ist die sache mit echt und wahr nicht langweilig, seid es zum allgemeingut aller halbgebildeten gehört, dass fotografien auch schon lange vor ihrer digitalisierung perfekt fälschbar waren? da muss ich mir doch nur die geschichte der aus historischen fotos gelöschter personen der verschiedenen sozialistischen strömungen ansehen... -- MartinBrust - 01 Nov 2004

siehe oben -- GuidoBraun - 02 Nov 2004

meine frage nach dem WARUM finde ich allerdings noch nicht beantwortet... -- MartinBrust - 02 Nov 2004

und wenn das SF04 die totale redundanz sein soll fällt mir dazu vor allem die totale langeweile ein, aber vielleicht liegt das ja auch an meinem ADS-Syndrom -- MartinBrust - 01 Nov 2004

"die totale redundanz" bezieht sich nicht auf einen wahrheitsgehalt, sondern auf das bedeutungspotenzial, das einem bild zugeornet werden kann. in die tüte gesprochen: je mehr bilder, desto unwichtiger das einzelbild. – oder ist es wichtiger? auch diese frage sei im diskursiven spiel am kommenden wochenende zu erörtern. nicht hier ist der ort und jetzt die zeit, die herren schreiblehrlinge mit allumfassenden antworten zu versorgen :-) -- GuidoBraun - 02 Nov 2004

Welcher sozialistischen Strömung gehört das SF04 an?

ich halte nichts von diesen ausdifferenzierungs=ausgrenzungs-fragen.
-- SaschaBuettner - 26 Oct 2004

ich finde, dass differenzierung nicht gleichzusetzen ist mit ausgrenzung und warte eigentlich auch noch auf eine diesbezügliche beweisführung. ich finde vielmehr, dass differenzierung im rechten maße am rechten orte dumpfbackiger paroliererei entgegenwirkt. und ich finde klassische festivals meist undifferenziert oder pseudo-differenziert. -- MartinBrust - 01 Nov 2004

auch das eine frage der perspektive und deiner eigenen festival-wahrnehmungs-kompetenz (s. medien...). das problem ist vielmehr, dass die festivalbetreiber (im konventionellen) eben den nicht-infragestellern eine auswahl präsentieren, die nicht nur subkjektiv, sondern strukturell verortet ist. das bedeutet, mit der ausdifferenzierung, die das festival vornimmt, spricht es eine sprache, die ebenfalls im netz der signifikanten verhaftet ist, nämlich nicht durch das, was es zeigt, sondern durch das, was es eben NICHT zeigt, und die differenz daraus. -- GuidoBraun - 02 Nov 2004

das serverfestival ist selbst strömung. jeder kann sich ihr anschließen, einziges ausschlusskriterium wäre eine ausschließungsstrategie des anzuschlieszenden. -- GuidoBraun - 28 Oct 2004

Den Begriff "strömung" können wir ja beiseite lassen, der des "Sozialimus" kommt dagegen aus der sf-ankündigung. Wo der sich im sf wiederfindet, würde mich schon interessieren. Fast noch mehr der Begriff von "Ausgrenzung", den ihr verwendet. Klar kann man die angesprochene Nivellierung, das Außerkraftsetzen von qualitativen Masstäben und das weitgehende Suspendieren von Teilnahmevorrausetzungen als Demokratisierungsbewegung beschreiben, aber "Sozialismus" hiess doch auch immer ganz faktische umverteilung und irgendwie "nägel mit köpfen machen". der alleinige anspruch, nichts und niemanden ausgrenzen zu wollen, ist zwar ehrenwert und ja nicht von ungefähr ein zentrales motiv linker/postlinker ansätze der letzten 15 jahre, scheint mir aber immer etwas passiv. vielleicht könnte man das sf in diesem sinne als verweigerungs- und nichtmitmachenwollen-modell beschreiben, aber was meint ihr? -- BerndSeib - 28 Oct 2004

der begriff "sozialismus" wäre nach dem scheitern jedes denkbaren sozialistischen experiments als satirisch behaftet zu erkennen. aber es hat ja auch etwas angestoszen, wie ich merke ;-) -- GuidoBraun - 02 Nov 2004

Also ist SF04 Ort der Undifferenziertheit? Ist jede Differenzierung eine Ausgrenzung? Und ist jede Ausgrenzung schlecht?

Ihr kommuniziert beispielsweise im SF04-Flyer eine mediale Bilderüberflutung, die Betrachter quantitativ überfordere und dadurch zu einer erhöhten Toleranz für qualitativ niedrigere Bilder führe. Das widerspricht dem Mainstream-Diskurs einer sich mit stärkerer Mediennutzung idR auch verbesssernden Medienkompetenz, oder? Haltet ihr die Pubilikation von noch mehr Bildern für ein gutes Gegenrezept? Und ist die Unterscheidung in qualitativ hohe und niedrige Bilder nicht bereits wieder eine Ausgrenzung?
-- MartinBrust - 28 Oct 2004

diesen unterschied macht das SF selbst, wenn auf dem flyer (und sei er auch nur entwurf, die unterscheidung zwischen entwurf und produkt scheint mir eine ausgrenzung, der sich das SF wohl kaum hingeben möchte) von einer erhöhten toleranz des users in qualitativer hinsicht gesprochen wird. das bedeutet doch, wenn auch unausgesprochen, aber dennoch recht deutlich: die leute ziehen sich mehr scheiße rein. -- MartinBrust - 02 Nov 2004

der diskurs über bilder, egal welcher qualität (die mich wie gesagt wenig interessiert), macht sich für mich an dem gebrauch der bilder fest. wofür wurde das bild aus dem flyer genutzt? es zeigt das kind, welches (2003?) von einem israelischen soldaten erschossen wurde (dieser vorfall, bei dem ein palästinensicher vater mit seinem sohn in einen schusswechsel geraten ist und dabei sein sohn zu tode kam; augenzeugen berichten, der sohn sei vorsätzlich erschossen worden). das foto wurde also genutzt, die israelis anzuprangern.
in der hier vorliegenden version ist das foto verfremdet und verfolgt lediglich das billige ziel zu provozieren (benetton lässt grüßen).

wie billig. -- MartinBrust - 02 Nov 2004


eine bildüberflutung gibt es meines erachtens gar nicht. in dem buch "zettelwirtschaft - die geburt der kartei aus dem geist der bibliothek" heißt es: "Mit der Erfindung und Verbreitung des Buchdrucks ertönt verstärkt eine Klage aus der gelehrten und lesenden Welt. Das Lamento von der Bücherflut, von jeher verpackt in eine Bewässerungs- , später dann nautische Metaphorik, stört die konzentrische Ruhe der gerade erst verstummten, weil nunmehr leise lesenden Studierzimmer-Bewohner." Übertragen wir dieses Lamento auf die heutige zeit, die "überflutung" der medienkanäle durch digitale bilder (und oft wird die grobpixeligkeit als negativkriterium hintenangefügt), erkennen wir, daß es sich bei der "bilderflut" um einen alten hut, eine abgedroschene, haltlose floskel handelt.
nun sind wir weder gegen eine differenzierung - sprich schärfung der argumnete (das sf versteht sich als tool zur schärfung der argumente!) - der begriffe noch für oder gegen etwas.

also postmoderne anything goes beliebigkeit? -- MartinBrust - 02 Nov 2004

das sf ist in der tat immer die summe all derer, die daran teilnehmen.
ein hauptanliegen ist natürlich der herschenden ausgrenzungslogik der festivals, die gerade im medienbereich so beliebt sind, dienen sie doch zumeist lediglich als verkausbörse und ranking-place (welchen marktwert habe ich auf dem markt der medienkünstler/-kuratoren) einen gegenpart zu bescheren.

und SF04 schafft vorgeblich dissidenten medien/kunstproduzenten unter vorwendung radikal-basisdemokratischen wortgeklingels eine alternative plattform? -- MartinBrust - 02 Nov 2004

als leitmotiv dient der begriff mutualität (statt dem so beliebten kollaboration - ein absolut entlarfender begriff, wenn man ihn mal endlich richtig liest) und konversation(kunst). konversationskunst insofern, da es bei dieser keine trennung zwischen akteur und publikum gibt und auch keinen zwang zum produzieren: es muss nicht produziert werden. sf ist letztendlich nur im moment des sf zu verstehen - zu erleben. alles davor und danach ist vermittlung.
-- SaschaBuettner - 28 Oct 2004

ich definiere medienkompetenz als die individuelle kompetenz eines users, medien so zu benutzen, dass sie seinem zweck dienlich sind. wenn er sich informieren will, muss er wahr von falsch scheiden können. wenn er andere informieren will, muss er wissen, wie er seine nachricht an die zielgruppe bringt. usw.usf. -- MartinBrust - 01 Nov 2004

natürlich. ich gehe selbstverständlich von sowohl aktiver wie auch passiver mediennutzung aus. passive ist eh klar und beherrscht die rezipienten seit sie medien nutzen, die aktive ist, nicht zuletzt durch netze, in den letzten jahren sehr stark auf dem vormarsch. und mangelnde differenzierung sollte doch gerade hier nicht als vorwurf gelten: ausdifferenzierungs=ausgrenzungs-fragen -- MartinBrust - 02 Nov 2004

D.h. prinzipiell sind alle bilder und damit alle beiträge zum sf gleichrangig, es wird auch von keiner instanz o.ä. gewertet? verstehe ich es richtig, dass es auch keine bild-thematischen vorgaben oder zumindest thematisch definierte subsegmente oder -räume geben wird? also keinerlei historischen, stilistischen, kunstgeschichtl. oder whatever-kontexte, in denen die bilder auftauchen. Mir scheints so, dass die Bilder damit im vergleich zu anderen potentiellen orten, in denen sie auftauchen könnten, irgendwie auch entwertet werden. user/betrachter stossen doch beim sf allenfalls zufällig auf sie? wenn meine mutmassungen stimmen, wirkt dieses konzept dann im 2. schritt auf mich so, dass die primäre stossrichtung des sf wohl darin bestehen dürfte, der "herschenden ausgrenzungslogik der festivals" etwas entgegenhalten zu können. dann wäre doch aber doch wieder die oben etwas abgekanzelte ebene der "vermittlung" das eigentlich daran interessante? sehe ich das richtig? -- BerndSeib - 28 Oct 2004

Haltet ihr die Pubilikation von noch mehr Bildern für ein gutes Gegenrezept?

Und ist die Unterscheidung in qualitativ hohe und niedrige Bilder nicht bereits wieder eine Ausgrenzung? -- MartinBrust - 01 Nov 2004

das ist eure unterscheidung. siehe oben. -- MartinBrust - 02 Nov 2004

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06.11.2004 · OliThuns · r18