wiki instituteSuche

MutuaLite

Mutualité. Kurd Alsleben und Antje Eske. Von der Computerzeichnung zur Netzkunstaffaire 1961-2006

in der Kunsthalle Bremen:

21. November 2006 bis 14. Januar 2007

http://www.kunsthalle-bremen.de/front_content.php?idcat=14

16.10.2006

Matthias Weiß:

Lieber Sascha,

die Zeit drängt ein wenig, wie es immer so ist. Bezug nehmend auf unser Telefonat vor zwei Tagen, möchte ich noch einmal vorschlagen, wie wir uns in die Affaire mit Antje und Kurd begeben: Du hattest sinnigerweise vorgeschlagen, dass ein Bilderchat über die Produktionsbedingungen von (Netz)KünstlerInnen vielleicht nicht schlecht wäre. Ich denke ähnlich und schlage zwei Reflexionsebenen vor. Das widerspricht zwar dem Gedanken des quasi freien Bilderchats, so wie ihn Antje praktiziert, ich denke, wie sollten uns aber die Freiheit nehmen, einfach ihre Form des assoziativen, bildbasierten Parlierens und Probierens anzunehmen und sie zu unseren Zwecken zu modifizieren. Denkst Du, dass wir auf die schnelle ein Wiki oder ein Blog auf www.serverfestival.net installiert bekommen? Ich möchte immer noch gern diese Domain wieder verstricken.

Herzliche Grüße nach Wiesbaden

Matthias

Sascha Büttner:

moin moin,

nein, auf die schnelle bekommen wir kein vernünftiges wiki oder blog hin. zumindest nicht, solange ich mit unserem mail-ping-pong hinter her hinke! das passt auch zu den produktionsbedingungen: meine produktionsumgebung ist derzeit nicht optimal. und meine persönliche disziplin lässt gar zu wünschen übrig.

warum nehmen wir nicht die abteilung sf im wiki institute?

fragend,

sascha :-)

Matthias Weiß:

nabendnabend,

ja warum eigentlich nicht? Also stelle ich unser Frage-Antwort-Spiel erst einmal dort hinein. Ich habe gerade nichts zu tun.

Also schau mal später hinein, mein Lieber, und lass Dich nicht so anspannen (sage ich, der ich ausnahmsweise ein wenig müßiggängerisch daherlebe ...)

antwortend und grüßend Matthias

Sascha Büttner:

ich werfe jetzt einmal ein paar gedankensplitter und stichworte in die runde:

dankenswerter weise formulierten antje und kurd einmal, daß nichts produziert werden müsse. das ist wichtig! zum einen, sich von dem künstlerischen zwang zu lösen (nämlich dem produzieren) und zum anderen, sich dem zwang (nämlich zu "müssen") loszusagen. antagonistisch dazu verhält sich immer das bestücken einer ausstellung. eine ausstellung lebt von artefakten/werken/produkten, die produziert werden müssen, so sie denn nicht schon existieren. für die ausstellung wurde zb. ein "roadmovie" produziert. dem wunsch nach sichtbarkeit (und damit aufmerksamkeit), wird der zwang zur produktion vorangestellt. eine zwickmühle?

ebenso produzieren wir, für die ausstellung, einen beitrag. weniger zwanghaft (denn wir tun es aus freien stücken). aber, wir verlassen das "diktum" und damit die grundebene der mutualität.

frage: lässt sich die mututalität dennoch aufrecht erhalten? wenn ja, wie?

es drängt sich geradezu auf sich die frage nach der vorgehensweise: systemimanent (s.a.: diskussion um postautonomie) oder systemkritisch? ich neige zu der systemkritischen haltung. nur sie bietet ausreichend distanz und damit reflektionsmöglichkeiten über das eigene tun.

den produktionsprozess als einen offenen prozess formulieren kann bedeuten, daß zum verabredeten zeitpunkt nichts produziert wird. das wäre die totale verneinung und damit einhergehende enttäuschung des publikums.

soweit für heute ... :-)

Matthias Weiß:

Ahoi Sascha,

Taureck schreibt zur Geschichte der Mutualität in dem Sammelband "Mutualität und Netzkunstaffairen", dass sie auf einen Güteraustausch hinweise, "der auch immateriell ... sein konnte" (Ziffer 708). Danach stellt er noch mit Bezug auf Rousseau fest (bzw. zitiert ihn), dass Mutualität missbraucht wurde.

Somit sind wir in dem historisch-semantischen Feld, das Taureck erschließt, ohnehin in irgendeiner Weise vorhanden: Sei es, dass wir uns als Austauschende auf der Güterebene verstehen: Das bedeutet, dass wir freundschaftlich uns "mit"-teilen und die nicht in irgendeiner Währung quantifizierbaren Vorstellungen zu einem Text werden lassen, sei es aus der Perspektive des freundschaftlichen, güterunabhängigen Miteinanders: So oder so bleiben wir mit unserer Vorstellung auf jeden Fall in diesem semantischen Feld. Das bedeutet - jedenfalls für mich -, dass wir nicht aktiv eine Ebene der Mutualität aufrecht erhalten müssen, sondern wir können uns in unserem Gespräch thematisch (z. B. systemkritisch) mit der Relation zwischen Produktion und Produzent auseinandersetzen.

Ich möchte noch einmal Deinen Gedanken zur Form aufgreifen: Du hast ja von einem Bilderchat gesprochen. Kannst Du Dir schon vorstellen, wie das wäre? Welche Motive kämen für Dich in Frage? Ich möchte nicht vorgreifen. Und wenn wir über das Thema oben sprechen, müssen wir da nicht auch so etwas wie "Rolle" und "Identität" auf den Prüfstand hieven? Und das ist doch eigentlich spannend: Deine Rolle ist der Künstler, meine die des Kunsthistorikers oder -wissenschaftlers. Was könnte das für unser Gespräch bedeuten?

Als erstes fällt mir zunächst einmal eine mutuale Situation auf der Basis des biologischen Begriffs von Mutualität ein: Unsere beiden Rollen sind, seitdem es die Kunstgeschichte gibt, bekanntermaßen aufs Engste miteinander verknüpft. Und da wir aufgrund unserer Lebenssituationen nur bedingt "im Geschäft" sind, erproben wir regelmäßig das Durchbrechen dieser Rollen, wenn auch - wie im Fall der "Knotenpunkte" traditionelle Schemata von Dir/mir zum Tragen kommen.

Vielleicht sollten wir im Bilderchat mal schauen, wie wir dieses Rollenspiel umreißen. Dann gibt es ja diese ganzen Kollaborationsnetzwerke (z. B. http://www.distributedcreativity.org/ oder die Veranstaltung http://www.freecooperation.org/). Unterscheidet uns etwas von anderen Initiativen?

So viel einstweilen.

Herzliche Grüße

Matthias

Sascha Büttner:

ho ho ho!

du fragst nach motiven. noch habe ich keine konkreten vor augen. ganz verschwommen tauchen skizzen von diagrammen auf, die die stichworte/ideen/thesen visualisieren. auch tauchen nebulöse bilder auf, aber noch zu verschwommen, um sie zu verbalisieren. es braucht ...

für unser gespräch bedeutet die rollenzuschreibung, daß sie durchbrochen wird. dass die gesprächsteilnehmer nicht von einer festn warte (einer feste - burg) aus sprechen, sondern sich im gesprächsraum (thema) bewegen! ich verstehe also die rollenzuschreibung als ausgangspunkt, weniger als endpunkt.

uns unterscheidet von kollaborationsnetzwerken die fehlende anonymität. denn ersteinmal bin ich auf so plattformen ein name/nickname/avatar. da kann ich viel darstellen, was immer ich will. aber erst duch das vis-a-vis stellt sich eine gewisse tiefe ein. letzlich mag ich mich aber gar nicht von anderen netzwerken/arbeitsgemeinschaften unterscheiden. also kein unterscheidungsmerkmal herausarbeiten. wozu? es hilft wenig zur schärfung des eigenen verstandes.

was uns auszeichnen könnte, ist die verknüpfung von themensträngen. wenn wir das mutuale künstlerische schaffen in gesellschaftlicher wie filosofischer wie ökonomischer hinsicht befragen. wenn wir das agieren, daß einer affiare zu grunde liegt, politisch begreifen. politisch in dem sinne, daß wir handelnde sind, die sich des handelns bewußt sind - also dafür verantwortung übernehmen. wenn wir das rollenspiel insofern im verlaufe des bilderchats auflösen.

soweit,

sascha (ein wenig erkältet)

-- MatthiasWeiss - 16 Oct 2006

19.10.2006 · MatthiasWeiss · r12