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BildBegriff

der gelesene bildbegriff oder der bildbegriff der gelesenen bilder

folgt dem alten ruf und hört erst einmal die b-seiten

eine der wesentlichen fragen, die sich mit der entdeckung der digitalität und der damit verbundenen möglichkeit, alles bildlich, textlich, klanglich denk- und codierbare in zahlen oder maschinenlesbare anweisungen / befehle zu transformieren, verbindet, ist unter einer antiken ontischen präsmisse die frage nach der relation zum jeweiligen analogen gegenüber: ist das digitale bild überhaupt ein bild? phänomenologisch sind wir mittlerweile an einem punkt angelangt, an dem wir mit unseren digitalen bildern aus nostalgischen gründen zum fotohändler gehen, um für unsere verwandten einen "abzug" von onkel alfreds 80. machen zu lassen. und die welt geht weiter ihren gang. und wenn ich vors gewandhaus aam auggustusplatz schaue: im minimum ist immer eine person pro reisebus dabei, die per händi ein mms versendet. in der musik ist analogie tot. da braucht man nicht weiter nachzudenken. ganz im gegenteil hat es gerade die akustisch orientierte unterhaltungsindustrie geschafft, das letzte fitzelchen analoger signalverarbeitung aus unseren alltagen zu löschen (ich höre gerade "sympathy for the devil" von den stones, was ich eigentlich nie mache. da dreht sich noch eine blöde vinylscheibe auf meinem alten dual, und ich merke, daß ich älter werde, obwohl ich noch so ein richtiger hosenscheißer war, als das gerifft wurde ;-) ).

wie denken wir bilder? was ist das bild, ein bild. die alten fragen (die scheibe knackt), die vielen antworten. vielleicht ist das serverfestival geeignet, markierungen zu gehör zu bringen, wenn wir über die schicht des sichtbaren die schichten des theoretischen vergessen machen, wie es geschieht, wenn man mit einer datei in den fotoladen geht. da vergisst sich im praktischen der geschäfts- und sachbeziehung zwischen königkunde und dienerzwischenverdiener auch das ganze theoretische um bildontologien etc.

aber zurück zu meiner idee, das digitale bild, das kein bild ist, sondern kompilierte, codierte, (verhexte) hochsprache ist, die kein mensch versteht, ist kein bild, kein gemaltes, kein analog fotografiertes, kein kopfbild, keine wirklichkeit außerhalb seiner materialität als platzanweisung des betriebssystems auf datenträgern. adressierbarkeit. [ kittler: technische schriften: http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Kittler ] und vor allem diese bequeme unhintergehbare eindeutigkeit "nur was schaltbar ist, ist überhaupt", s. 182), welche ohne digitalien niemals den siegeszug angetreten hätte. darauf bauen kachelmann, börseimersten und alle ihre hintermänner: die universalisierung der eindeutigkeit im reellen als basis für ihren aufstieg ins symbolische und ihre meist pathologischen und pathologisch überstrapazierten überwucherungen im imaginären der theorie über sie.

http://www.ktistes.altervista.org/giotto-betrayal.jpg

[ giotto, judaskuss, arena-kapelle, padua, ca. 1305 ]


und was hat es für eine zeitliche komponente, diese absurde lesung? ein bild zeichnet sich laut max imdahl (bezogen auf ein ereignisbild, beispielsweise "judaskuss" von giotto, arenakapelle, padua >>> imdahl, max: giotto. arenafresken. ikonographie, ikonologie, ikonik. münchen 1988) durch die simultaneität des sukzessiven aus. wir sehen eine erzählung, die in der ablaufenden zeit eine erzählzeit des textes hat, im passionsspiel wiederum eine realzeit, welche die bühnenzeit ist und im christusdrama aus hollywood noch eine andere zeit. diese zeitformen sind in ihrer narrativität allesamt dem sukzessiven verpflichtet und verhaftet. nur ein bild schafft es, diese abfolge als gleichzeitigkeit unter den bedingungen einer je verschieden verdichteten ordnung namens komposition zur anschauung zu bringen. lasse ich diese datei, welche über den verweis zu sehen ist, in einen textstrom verwandeln und ihn vorlesen, nimmt er dem bild diese überzeitlichkeit für den rezipienten und überführt diese zurück in eine zeit der abfolge, die ein stetiges nacheinander ist, ganz so, wie es unsere alltägliche zeiterfahrung ist (hierzu auch h. theissing, zeit im bild, darmstadt 1987).

was bedeutet nun dieser kurze par force-ritt über die leichen von bild-text-theorien für unser vorhaben? nichts. einfach gar nichts. es ist nur zu beachten, daß wir uns immer im klaren sind, daß es keine sinn- oder bedeutungslosigkeit in digitalen kontexten geben kann. egal, wass uns die unterhaltungsindustrien weiß machen wollen.

-- MatthiasWeiss - 02 Sep 2004, 03 Sep 2004

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03.09.2004 · MatthiasWeiss · r6