Am Sonntag war ich im Stadtmuseum [ WiesbadenerStadtmuseum ] in der Friedrichstraße 7.
Beim Flaschen in den Container werfen, ist mir ein Plakat an der Litfasssäule aufgefallen, das Gesicht von einem dicklichen Mann, bieder und feist. Darauf ein kleiner Schriftzug: Alle haben "einen Jawlenskyfimmel", hat seine Agentin Emmi Scheyer in den 20ern in einem Brief geschrieben. Mich haben seine ollen pastellfarbenen Köpfe im Landesmuseum [ LandesmuseumWiesbaden ] noch nie interessiert, da war mir der Kandinsky mit den lustigen, klaren Farben immer lieber (und der hat ja nicht hier gewohnt), aber dieses "Projektbüro Stadtmuseum" wollte ich mir schon mal anschauen. Die Ausstellung, die Alexejs Leben in Wiesbaden von 1921 bis zu seinem Tod 1941 mit Wiesbadener Stadtgeschichte verknüpft und jetzt noch Anfang 2005 nach dem Wiesbadener Jawlenskyjahr 2004 zu sehen ist, wirkt bemüht. Kleine Räume, ist ja alles aber noch vorläufig, zugestellt mit Informationen und Bildern, die man genauso gut gemütlich daheim bei einer Tasse Tee aus einem dieser "Wiesbaden - vorgestern und übermorgen" Bücher erschmökern kann. Einige der großen Schautafeln waren nur auf einer Seite genutzt und auf der Rückseite leer, als ob es am Platz denn doch nicht mangelt. Im ersten Raum stehen Transportkisten, aus einfachen Brettern genagelt, sinnbildlich für Jawlenskys ferne Herkunft und die Zeit nach dem ersten Weltkrieg. In dem Raum in dem Jawlenskys Polyarthritis thematisiert wird und in dem seine Totenmaske zu sehen ist, hat man, sinnbildlich, einen alten Rollstuhl reingeschoben. Einen Raum zuvor liegen auf einem Teller Minizwieback mit Orangenmarmelade und in Kniehöhe entdecke ich ein Schild, auf dem werden Besucher, die vielleicht noch gar nicht lesen können, aufgefordert doch einmal von dem Zwieback zu probieren, solchen habe Jawlensky seinen Gästen gerne zum Tee serviert. Habe sich ein Gast einen Zwieback genommen, schwubs lag schon der nächste auf dem Teller. So gastfreundlich war der Russe. Im letzten Raum steht ein prächtiger Samowar (laut Auskunft der Aufsicht wohl nicht aus dem Haushalt Jawlenskys, sie könne sich aber vorstellen, daß er einen besessen hatte) und drum herum hat man erstaunlich lieblos vielleicht 20 Plexiglashalter, die man oft in Geschäften mit den Preisen drinnen sieht, gestellt. Hier klemmen Zettelchen mit Namen und einer kurzen Beschreibung, wer der jeweilige Mensch war und inwieweit der zum Umfeld von Jawlensky gehörte. Wie gesagt, sehr bemüht das Ganze. Ob es umso rascher mit einem richtigen und tollen(?) Stadtmuseum vorangeht, wenn Wiesbaden sich jetzt um den Titel "Europäisches Kulturerbe" bewirbt? Ob nun mit altehrwürdigen Platanen oder mit Baumschule rund ums Kegelgrün?, (das Thema auch mal nebenbei gestreift.) Wie auch immer, eine Sache fand ich interessant, Von Jawlensky soll sich mit Freunden oft im Hansa Hotel getroffen haben. Das gibt es doch noch. In welchem Hotel trifft Wiesbadens Künstlerszene sich eigentlich heute so? (Künstlerszene?)
-- BeL - 25 Jan 2005
Anmerkung
Den Bericht von meinem Ausflug an einem Sonntag im Januar habe ich grade neu eingestellt, weils irgendwie weggehackt worden war. Genauso wie die Platanen. Nur die sind wirklich weg. -- BeL - 07 Jun 2005