Termin/Ort
Einladung / Themen
//--> __SPRECHEN ÜBER WIESBADEN__ De Erfahrungen im Umherschweifen austauschen und vertiefen. __SPRECHEN ÜBER WIESBADEN__ Lokalisierung strategische wichtiger Orte. __SPRECHEN ÜBER WIESBADEN__ Fortschreiben der Psychogeografie einer Stadt. __SPRECHEN ÜBER WIESBADEN__ 01. Mai 2005, 11-13 Uhr, im 60/40, Schlachthof Wiesbaden. <--//
Notizen
11:16
der schlachtfunk ist wieder tot. bedeutet: das argument 60/40 als ort (wegen wlan) ist obsolet. zumal der schlachtfunk-therapeut DanielW nicht wirklich jedesmal am gespraech teilnimmt. ok, das 60/40 ist auch ohne wlan ruhig, angenehm und so stark besucht (haha), daß man sich natürlich, wären denn ebent welche da, sehr angenehm unterhalten könnte, ohne eben schreien zu müssen.11:20
genug der maulerei. es gibt wichtigeres. zum beispiel: wie schnellstmöglich das frische, zarte, grün rund um den schlachthof in karges, jämmerliches braun verwandeln?11:25
aber fangen wir doch der reihe nach an. fangen wir mit gestern an. gestern wurde im AtelierKombinart (siehe dazu auch ein posting vom 23. april in der osdgv-mailingliste --> http://wunderhosting.de/pipermail/osdgv/2005-April/000028.html) der soundvielste geburtstag des künstlers und protofaschistischen metallbiegers MarkusQuiring abgefeiert. wirklich schöne räume haben die dort. zumindest im sommer. oder wenn es heiss ist. kurz vor 24:00 uhr brach die festgemeinde auf, um sich zu der nahe gelegenen WestendGalerie zu begeben, denn dort wurde dann, nach eintreffen, die aktuelle ausstellung von Nicole Ahland eröffnet. die eröffnungsrede hielt der filosof ChristianRabanus. es möge sich jeder selbst von der ausstellung ein bild machen. eine beschreibung erspare ich mir folglich an dieser stelle. begeben wir uns lieber in die theoretischen abgründe, die sich hier auftun:Kontextkonstruktion: Die kunst wird Wirklichkeitskulisse . Schilder/Bildhalter in das Strassenbild einzufügen und die darin darin präsentierte Kunst mit einer diffusen Authentizität aufzuladen, kommt einem kontextuellen Besetzen des Realen, nicht dessen Erforschung und Kritik gleich.
Kontextkonstruktionen sind Verwaltungsformen des Realen; sie sollen der Kunst einen größeren gesellschaftlichen Raum eröffnen und zugleich eine Alternative zum eindimensionalen, am Geschmack des Kurators oder am Kunstmarkt orientierten Ausstellungskonzept sein.. Wo sie die Ortsspezifität nicht problematisieren, sondern lediglich den topografischen Appeal aufgreifen, um Raumerlebnisse zu inszenieren, erzielen Kontextkonstruktionen einen gegenteiligen Effekt: Sie tauchen die Kunst in eine Wirklichkeitskulisse.
Kontextkonstruktionen greifen in totalitäre Weise nach der gesellschaftlichen Wirklichkeit. Diese Kunst, die der Konfliktlinie zwischen Präsentation und Repräsentation aus dem Weg geht, wird immer identischer mit lebensweltlich kontextualisierten Präsentationsmodellen, indem sie die Frage der Repräsentation in Eigen- und Aussenkontext spaltet und so entpolitisiert, ja sie sogar ganz und gar mit dem Realitätsfragment verschmelzt. Das hat für den Adressaten weitgehnde Konsequenzen. Die Adressaten sind dann nicht mehr Dialogpartner, deren kommunikativer und gesellschaftlicher Status durch die Konfrontation mit dem Kunstwerk neu definiert werden soll, sonder tendenziell am Prozess der ästhetischen Neukonstruktion des Realen mitbeteiligte Elemente eines environmentalen Wirklichkeitssurogat. Die vorgeblich zu beseitigenden Hirachien zwischen Produzentinnen und Betrachterinnen, so offen und transparent sie auch erscheinen mögen, bleiben fest bestehen.
(aus: Marius Babias, Ware Subjektivität, Verlag Silke Schreiber; dezent textlich modifiziert und auf den Subkontext WestendGalerie getrimmt von SaschaBuettner)


