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Verweilen

Verweilen Das schönste deutsche Wort

von Christoph Sattler

Am 4. Mai startete der Deutsche Sprachrat offiziell seinen Wettbewerb, in dem "das schönste deutsche Wort" ermittelt werden soll. Auch die schönste Begründung will der Rat prämieren. An dieser Stelle nennen bekannte Persönlichkeiten ihren Favoriten. Christoph Sattler, Partner im Architekturbüro Hilmer-Sattler-Albrecht (u.a. Masterplan Potsdamer Platz):

"Diß Leben kömmt mir vor alß eine renne bahn", sagt 1650 Andreas Gryphius im Gedicht "Abend". Mir kommt es auch so vor, deshalb liebe ich das Verb "verweilen". Sein Klang wirkt verführerisch beruhigend, leicht melancholisch und hat zu tun mit der glücklichen Einladung in Räume und Landschaften. "Verweilen" beinhaltet die Gegenidee zu Fortschritt und Bewegung. Meine Schwäche für dieses Wort setzt sich somit zusammen aus Liebe und aus Irritation angesichts der Hast. Ich spüre: Durch das dem Grundverb "weilen" hinzugesetzte "ver-" entsteht im Deutschen eine Bedeutungserweiterung in Richtung des Vollendens, des Verstärkens und ebenso des Verwandelns.

Das Wort taucht in unserem Sprachgebrauch inzwischen weniger häufig auf, wodurch es geadelt wird, aber auch altmodisch wirkt.

Und dennoch stimmt mich das Verweilen nie resignativ, nicht langweilig noch kurzweilig, vielmehr, mit Faust: "Werd' ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch! Du bist so schön!"

-- FlorianMerkur - 07 May 2004

07.05.2004 · FlorianMerkur · r1