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TheorieVonBerlyne

Langeweile ist ein Antrieb, der sich dadurch auszeichnet, daß er durch breitgestreute Exploration reduziert wird, aber durch ein außergewöhnlich niedriges Aktivierungspotential (z.B. durch sehr seltene oder sehr monotone Reize) aktiviert wird. ``Zur Langeweile kommt es vermutlich vor allem dann, wenn den Stimuli kurzfristige Neuartigkeit fehlt, d.h. wenn ein Stimulus in unmittelbarer Folge mehrmals wiederholt wird. Sie kann aber auch mit einem Mangel an langfristiger Neuartigkeit einhergehen, wenn das gleiche Menü z.B. Tag für Tag aufgetischt wird, oder mit mangelnder Überraschung, z.B. wenn das Leben zwar abwechslungsreich, aber äußerst vorhersagbar ist.'' (Berlyne, 1974, S. 236)

Um Langeweile herbeizuführen wird von sensorischer Deprivation gebrauch gemacht. So wurden Studenten, die dafür bezahlt wurden (20 Dollar pro Tag, in den 50'er Jahren) dazu aufgefordert, sich den ganzen Tag in eine Zelle zu begeben. Durch Kartonmanschetten und schwere Handschuhe kann die Versuchsperson nichts mit den Händen fühlen und durch die Schutzbrille wird eine strukturierte optische Wahrnehmung unmöglich gemacht. Des weiteren wird durch eine Klimaanlage die temperatur konstant gehalten und durch einen Ventilator wird ein konstantes Geräusch ausgesandt. Andere Geräusche sind dadurch in der Zelle nicht wahrnehmbar. ``Es zeigten sich interessante Phänomene, die von Halluzinationen bis zu einer Verschlechterung der intellektuellen Fähigkeiten reichten. Interessant für uns war jedoch die Tatsache, daß die Versuchspersonen diese Behandlung trotz der hohen Bezahlung und trotz dem völligen Fehlen jeglicher Anstrengung nicht länger als einige Tage ertragen konnten. Sie griffen zu verzweifelten und weithergeholten Maßnahmen, um sich erhöhte Stimulation zu verschaffen: Sie führten z.B. Selbstgespräche, pfiffen oder schlugen die Kartonmanschetten gegeneinander. Wenn ihnen Gelegenheit geboten wurde, verlangten sie immer wieder nach Stimulation, die sie unter normalen Verhältnissen als unerträglich langweilig gescheut hätten, z.B. die Aufzeichnung eines Börsenberichtes oder einer Rede gegen den Alkoholismus, welche für ein Publikum von kleinen Kindern gedacht war. Wachsende Erregbarkeit und andere zeichen von emotionalem Streß traten auf; die Erfahrung wurde als äußerst unangenehm empfunden.'' (Berlyne, 1974, S. 236f.)

Ein weiteres Experiment wurde von Karsten durchgeführt und das dabei auftretende Phänomen als psychische Sättigung bezeichnet. ``Sie forderte ihre Versuchspersonen auf, monotone, schon bekannte und vor allem uninteressante Aufgaben zu lösen, wobei sie sie anwies, zu arbeiten, solange sie Lust hätten, und aufzuhören, wenn sie nicht länger weitermachen wollte. Der Versuchsleiter führte sich jedoch so auf, als ob er die Versuchspersonen ermuntern wollte, solange wie möglich weiterzumachen. Die Aufgaben bestanden darin, waagerechte Striche zu ziehen, Fingerhüte in Löcher zu stecken, das gleiche Gedicht mehrmals zu lesen, eine einfache Figur mehrmals zu zeichnen usw., alles Aufgaben, welche mit geringer physischer Anstrengung endlos fortgesetzt werden können.

Im Verlauf des Experimentes verschlechterte sich die Qualität der Leistungen: Fehler wurden immer häufiger, und größere Sprach- und Zeichnungseinheiten zerfielen zu bedeutungslosen Elementen. Interessant ... ist die zunehmende Anstrengung, welche oft mit ganz teuflischem Geschick unternommen wurde, innerhalb des durch die Anweisungen festgelegten Rahmens eine gewisse Vielfalt zu erreichen. Die Striche wurden z.B. mit variierenden Thythmen gezogen, der Beleistift wurde dabei auf verschiedene Arten gehalten, ihre Formen wurden variiert, damit sie einer Serie von bedeutungsvollen Mustern gleichkamen, oder die Aufgabe wurde auf neue Arten interpretiert, z.B. als Geschwindigkeitstest. Mit dieser Tendenz waren verbunden: ein wachsender Widerwille gegen die Aufgabe und alles was damit assoziiert war, eine Tendenz, an andere, angenehmere Dinge zu denken, aggressive Gefühle der Aufgabe, dem Versuchsleiter oder sogar sich selbst gegenüber, welche sich verbal oder in Ausbrüchen von mäßiger Heftigkeit und schließlich darin äußerten, das die Versuchsperson sich weigerten, weiterzumachen.'' (Berlyne, 1974, S. 237)

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-- FlorianMerkur - 07 May 2004

07.05.2004 · FlorianMerkur · r1