wiki instituteSuche

AlteVersion

DIESE FASSUNG IST ÜBERHOLT. ÜBERARBEITETE FASSUNG VERSCHICKT -> LEIDER FEHLERHAFT

Eine Ausstellung mit Werken über einen Perspektivwechsel

Konzeptpapier 1, 9. Juni 2005

1. Voraussetzungen / Der Stand der Dinge in der Szene

Der Diskurs über eine Medienkunst, die sich der Mittel und Möglichkeiten des Internets bedient, also über Kunst, welche im Allgemeinen unter dem Begriff der Netzkunst firmiert, ist in den vergangenen sieben Jahren nach etlichen scharfen Kontroversen weit gehend abgeebbt. Grund für den merklichen "Stillstand", so eine These, die bereits im "Gütersloher Netzkunstbuch" vertreten worden wurde, ist einerseits die Berührungsangst klassischer Institute (i. d. R. Museen und Kunsthallen), andererseits die starke Abschottung der frühen Szene vom etablierten Kunstmarkt. Heute kommt hinzu, dass zwar viele Arbeiten nach wie vor entstehen, aber aufgrund einer fehlenden Einbindung in den zeitgenössischen Kunstdiskurs die kritische Distanz, welche für eine produktive Rezeption Bedingung ist, fehlt.

Vor diesem Hintergrund kann ein methodisch integrativ ansetzendes Ausstellungsprojekt dazu beitragen, dass der Humus für eine kritische Auseinandersetzung mit Netzkunst im etablierten Rahmen des Kunstsystems stattfinden kann. Thesen und Bedingungen für Netzkunst können mittels eines komparatistischen Verfahrens geprüft werden.

Entgegen der in der Regel üblichen

2. Herangehensweise / Dezentralität als Prinzip als ein Beispiel für die Relation zwischen netzbasierter und herkömmlicher Skulptur bzw. Installation

Die Ausstellung findet in räumlicher Analogie dezentral an verschiedenen Orten im Einflussbereich des Kultursekretariats Gütersloh statt. Metaphorisch wird der Besucher zu einem Reisenden, der sich nicht nur an einem Ort, wie es ihm der Bildschirm vorgaukelt, zu einem Rezeptionserlebnis kommt. Vielmehr ist Dezentralität eine der Bedingungen für das Erfahren einer nur konstruierten Ganzheit, die aber aus räumlicher Gespaltenheit resultiert. Dieser abstrakte Gedanke ist Kern einiger Netzkunstarbeiten, welche über den Rahmen bloßer Bildschirmpräsenz hinaus reichen. Prominentestes Beispiel in der Geschichte war wohl die 1997 auf der Biennale gezeigte Arbeit von Richard Kriesche "T.S. 4". Der Betrachter kam niemals im Sinne einer Totaltätserfahrung klassischer Künste (z. B. einer Skulptur von Richard Serra) zu einem homogenisierenden ganzheitlichen Erlebnis. Entweder befand er sich in den Ausstellungsräumen, oder er versuchte über bestimmte Online-Mechanismen einen Vorgang zu stoppen. Diesem konnte er weder räumlich bewohnen, noch konnte im Raum die "Bewegung" erfahren werden, da sie langsam und Diskontinuierlich vonstatten ging.

Gemäß dieses Prinzips einer Thematisierung von Telematik funktionieren eine ganze Reihe von Arbeiten. Und diese spezielle Erfahrung lässt sich eigentlich nur dann nachvollziehen, wenn man sich über die Differenz darüber im Klaren ist. Ein Vorschlag wäre demzufolge, sich auf jene integrativen Arbeiten zu stützen und sie mit ähnlichen / vergleichbaren künstlerischen Äußerungen traditioneller Materialität in Kontrast zu stellen. Dabei können verschiedene Genres der Gegenwartskunst bei der Bestimmung der Kriterien zur Auswahl der zu berücksichtigenden Künstler zum Tragen kommen.

Wesentlichstes Moment ist bei einer derartigen Zugangsweise, dass man innerhalb der Aussstellung verdeutlichen kann, wie verschiedenen die Erfahrungspotenziale der technisch verschiedenen Arbeiten sind.

3. Genres / Techniken

Aufgrund des theoretischen Ansatzes macht es wenig Sinn, eine Ausstellung auf der Basis eines Diskursmotives (z. B. "Der Diskurs des Politischen in der Gegenwartskunst") zu organisieren. Vielmehr sollte das Projekt integrierend das Technische in den Vordergrund stellen, ähnlich wie es oben für die Skulptur beschrieben wurde. Dabei kann im "altmodischen" Sinn die Einteilung in Gattungen als Leitfaden für die Ausstellung behilflich sein. Im Folgenden nenne ich ein Reihe von Ordnungsmöglichkeiten und die damit verbundenen KünstlerInnen.

4. Erste Beispiele f. KünstlerInnen

Die Anzahl der KünstlerInnen sollte einen gewissen Rahmen nicht übersteigen. Denn es ist zu bedenken, wie die Dezentralität der Veranstaltungsorte produktiv bleiben kann, ohne dem Besucher das Gefühl zu vermitteln, er bewältige dies nicht. Ich schlage daher vor, dass je nach Größe der zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten, Kabinette hergestellt werden, in welchen die Arbeiten zueinander, sofern es sich anbietet, in räumlichen Bezug gesetzt werden können.

5. Zeitraum

Laufzeit min. 8 Wochen

6. Kalkulation

7. Dokumentation

Das Projekt ließe sich an einer noch zu definierenden Stelle auf dem kunstnetznrw.de abbilden. Eine eigene Domain wäre möglich. Man müsste dann auch schauen, ob bestimmte Arbeiten nicht wie ein "Cover" funktionieren. S. Büttners "trashpavilion", eine Arbeit die sich in Form eines künstlerischen Forschungsprojekts mit den Produktionsbedingungen von Kunst im Zeitalter der Digitalität auseinandersetzt, könnte hierbei eine Schlüsselrolle übernehmen.

-- MatthiasWeiss - 09 Jun 2005

01.07.2005 · MatthiasWeiss · r1