Kill the Kingstreet
Im Stadtviertel direkt nordöstlich des Kasseler Hauptbahnhofs gelegen, befindet sich die Schillerstraße. Während des ungefähr vier Minuten kurzen Fußmarsches vom Bahnhof über die Erzbergstraße zur besagten Schillerstraße beschleicht einen das Gefühl, als begäbe man sich in eine Gegend jenseits der Stadtmauern Kassels. Die Gegend ist weit abgelegen von jedem imageträchtigen Innenstadtflair, sie ist ein Stück innerstädtische Peripherie. Nicht sehr weit von der Königssraße, der Einkaufsmeile Kassels, entfernt, reihen sich hier leerstehende Läden und unbebaute, als Abladefläche verwendete Brachgrundstücke und breite Durchfahrtstraßen aneinander; unweit der Schillerstraße existieren Bordells, Straßenstrich, menschenleere Warenlager. Tagsüber sind auch die umgebenden Straßen ziemlich menschenleer. Die hier wohnende Bevölkerung hat offensichtlich andere Probleme zu bewältigen, als beispielsweise der Eröffnung des chicken "Citypoint"- Einkaufszentrums des Großdevelopers ECE entgegenzufiebern, das kürzlich am Königsplatz eingeweiht wurde. Die Leute wohnen hier, weil die Mieten im Vergleich zu anderen innerstädtischen Lagen für sie bezahlbar sind. Es ist eine Gegend, in der die wenigen zeitweise existierenden Einzelhandelsgeschäfte kaum Überlebenschancen haben.
In der Zeit vom 22.6. - 8.7.2002 werden Martin Kaltwasser und Folke Köbberling im " HausKoebberling ", dem ehemaligen Elektronikfachgeschäft Köbberling in der Schillerstrtaße ein Büro einrichten. Von diesem öffentlich zugänglichen Büro aus werden sie Untersuchungen zu dem Stadtviertel vornehmen, diese öffentlich ausstellen und diskutieren, AnwohnerInnen und Gäste einladen und als quasi selbsternannte Quartiersmanager mit ihren künstlerischen Methoden zusammen mit allen Interessierten Diskussions- und Ideenprozesse anzustoßen versuchen. Beispielsweise werden sie zunächst eine Kartographie des Leerstands erstellen und Überlegungen veröffentlichen, wie kurzfristig und phantsievoll mit dem Leerstand umgegangen werden kann. Sie werden Interviews mit AnwonerInnen machen, ähnlich der Aktion von P. Weibel u.a "Interviews in der Nordstadt" im Jahre 1976. Das Büro ist zugleich workspace, Vortrags- und Seminarraum und bietet Raum für den Möglichkeitssinn. Daraus entstehen im weiteren Verlauf Aktionen, die beispielsweise das Gefälle der Supereinkaufsmeile Königstraße zu deren Umgebung thematisieren und auf bisher ungeahnte Weise in den Stadtraum übergreifen.
"Kill the Kingstreet" entsteht in Kooperation mit dem Projekt "Just do it"
an der Kunsthochschule Kassel, mit 3dos (3D Open Space) im Elektroladen Köbberling, dem Seminar "Open
Content"
an der Kunsthochschule Kassel, Freies Radio Kassel, Safercity.de und dem
Superbüro Berlin.
sab - 25 Jun 2003