Hallo Bubens! Zum abschied aus dem projekt wollte ich euch noch eine besprechung/bewertung der ausstellung in hildesheim mit auf den weg geben. Mir sind einige dinge aufgefallen und die mag ich nun hier kund tun.
Grundlage meiner überlegung sind die bilder in der qualität und aufmachung, wie sie bernhard für sein diplom gewählt hat und wie sie in hildesheim fortgesetzt wurde. Man kann sagen: es sind professionelle abzüge/ausbelichtungen die professionell aufgezogen sind. also hohe qualitität, was bild + präsentation/aufmachung angeht. diese aufmachung ist sehr stylisch und auch glatt; dadurch wird das bild als FOTO betont und ein weiter assoziationstaum aufgemacht (weil es eben keine zusätzlichen element gibt).
Der Standart
wie oben beschrieben, haben die bilder seit bernhards diplom einen hohen standart erreicht. dies ist natürlich die grundlage, um die bilder in ausstellungen zeigen zu können. Zu diesem standart gehört aber auch: ein stimmiges konzept!
Das Konzept
es gibt den reisenden, der von webcam zu webcam reist um, dort angekommen, ein bild von sich machen zu lassen. dazu tritt er regelmässig mit dem daheimgebliebenen in kontakt, der die bilder der jeweiligen webcam abspeichert. dieser einfache inhalt wird durch ein bildsprachliches moment kommuniziert: der reisende ist auf jedem bild zu erkennen (und wenn ein pixelklümpchen ist), nimmt seine "ich werde fotografiert" pose ein und hat zu dem seine tasche umhängen (als identifikationsmerkmal). das ist alles.
Die Ausstellung
in grossem und ganzem gefällt sie mir. dennoch muss hier kritisch angemerkt werden: weniger wäre auch hier mehr gewesen. man muss nicht jede freie fläche nutzen. ich persönlich würde über einen heizkörper kein bild hängen, schon gar nicht, wenn genug fläche zum hängen zur verfügung steht. ebenso würde ich kein bild in eine nische hängen, wenn der betrachter nicht an das bild herantreten kann (um auf die suche nach winzigen details zu gehen): das ist eine schwäche der ausstellung!
Die Bilder
ein bild war/ist nicht richtig beschnitten: das ist schlechte qualität und darf eigentlich nicht passieren. Wie oben beschrieben: die aufmachung der bilder bewegen sich auf höchstem niveau; da darf nichts drunter durchgehen!
Das Tableau
volle anerkennung: das beste detail in der ausstellung. von vorne bis hinten gelungen (sicherlich: man hätte es noch verspielter präsentieren können, muss aber nicht sein).
Die AV/DVD
wurde schlecht präsentiert (ich fande den ort und die helligkeit nicht überzeugend. aber das war wohl nicht beeinflussbar). die bildauswahl war ja aus bekannten gründen wunderbar.
Die Postkarten
absoluter quatsch. überlegt mal: da liegen "richtige" postkarten von 2 künstlerinnen, die ebenfalls zum jahresprogramm des kunstvereins gehören. und da legt ihr kleine fotos hin und nennt die "postkarten".
Das Portfolio
eine gute idee. jedoch: die bilder waren nicht beschriftet (haben noch nicht mal die informationen, die bei den grossen bildern hängen: ort/land), sidn auch nicht wirklich gut vergrössert (warum ein weisser rand? warum nicht auf das originalmass beschnitten? warum nicht signiert/gestempelt?) hier wäre mehr qualität im obigen sinne wichtig gewesen.
Das T-Shirt
das t-shirt taugt allenfalls als putzlumpen. warum so schlechte qualität? überlegt mal: solche t-shirts waren vor 10 jahren der renner, als es noch teuer und unüblich war, ein bild auf eben ein t-shirt drucken zu lassen. heute macht das aber hinz und kunz, es ist billig und schäbig. dieser stilbruch erklärt sich nicht und hat weder etwas mit dem projekt noch mit den bildern zu tun.
Die Performance
ich bin letzlich froh, daß durch die technische panne (absolute unprofessionalität des kurators!) die performance im angedachten sinne nicht zusatnde kam. ich denke, ich hab mich mit meinen ausführungen wacker geschlagen. ich empfehle für zukünftiges: nie wieder performance! macht workshops!
Die Podiumsdiskussion
was ein glück hattet ihr mich. auch hier habe ich mich tapfer geschlagen (und konnte meine erfahrung und mein wissen zum einsatz bringen). grundsätzlich aber gehört der reisende in keine podiumsdiskussion. es sei denn, und nur dann, es geht ausschlieszlich um fotografie! hier stehe ich gerne weiterhin zur verfügung, vorausgesetzt, die qualität der bilder setzt sich in allen anderen begleitprodukten fort!
Fazit
es ist noch ein weiter weg vom fotodesign zur kunst.
Hängung / Ausstellung
weniger ist immer mehr! hildesheim zeigt auch, daß eine ausstellung mit 50 grossen bildern (ausbelichtungen) langweilig wird. hier müssen neue präsentationskonzepte entwickelt werden!
Merchandising
der ansatz und die idee sind gut. jetzt muss nur noch eine gute umsetzung her. also muss man ersteinmal schauen, was es da schon gab/gibt: was haben andere künstler auf diesem gebiet schon geleistet. dann: es müssen qualitativ hochwertige produkte sein, also gute stoffe und vor allem: eine gute optische umsetzung. ein gesticktes pixelmännlein mit der unterzeile: der reisende, besticht sicherlich mehr als dieser putzlumpen, der gerade in der ausstellung (und kabal-shop) angeboten wird. zu dem: es müssen mehrere grössen zur verfügung stehen. und: doppelripp/feinripp. oder warum nicht gleich ein unterhemd. bevor also weiterhin müll produziert wird, sollte ersteinmal die ganze produktlinie durchdacht werden. dann gibt man das eine oder andere in auftrag. man könnte auch eine "der reisende" tasche entwerfen. dazu sucht man nach kooperationspartnern. aufgrund der beschränkung im reinen ausstellunsformat halte ich es für wichtig, auf diesem gebiet ein richtiges branding zu entwickeln!
WARUM
das ist die grundfrage, bei allem: warum ein t-shirt? warum soviele bilder? stellt euch diese frage ruhig etwas öfter!
Ausblick
hildesheim zeigt deutliche grenzen auf: die "grösse" der ausstellung (max. anzahl von bildern) ist fast erreicht. werden es zuviele steigt die redundanz und damit die langeweile. künstlerische qualitäten müssen entwickelt werden (die bilder sind fotodesign): da der kurator hauptsächlich das projekt wegen seiner schnittstelle "web" haben wollte fallen die disqualifizierenden momente nicht so ins gewicht. das wird aber bei einem kurator, der ein stimmiges austellungskonzept haben will, negativ aufstossen bzw. dazu führen, daß man nicht genommen wird.
Ideen / Anregungen
überlegt mal an einen austellungebeitrag, bei dem die bilder nur als dias gezeigt werden. also 4 diaprojektoren in einem raum auf 4 wände projezieren. jeder projektor projeziert ein thema. jede projektion unterscheidet sich in grösse von den anderen projektionen. das klicken/klacken des bildtransports gibt einen rythmus des resien wieder ...
ladet ausgewählte leute ein, mit euch hier im wiki das projekt inhaltlich weiter zu entwickeln. da sehe ich sonst schwarz. fototechnisch braucht ihr keine hilfe: das ist, wie oben beschrieben, top qualittät. macht also das projekt offen, koppelt jedoch den fotografischen output an euch.
forciert das buchprojekt (schaut euch mal bücher von hilla und bernd becher an!)