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Wikinachrichtendienst > AllNews > TammTammInDerPresse r1 - 02 Mar 2006 - 10:39:51 - SaschaBuettner
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WND / echo-mailingliste Presseauswertung zu Tamm-Tamm

Agnes Handwerk
Tamm-Tamm in der Presse

Die Presse hatte über das Museumsvorhaben von Peter Tamm bereits über einen Zeitraum von zwei Jahren berichtet, als sich im September 2005 die Aktion "Künstler informieren Politiker" formierte. Die Hamburger Leitmedien "Bild" und "Hamburger Abendblatt" unterstützten das Tamm-Vorhaben publizistisch von Anfang an. Ohne eine kontroverse Diskussion passierte das Museumsvorhaben die Bürgerschaft. Die Mehrheit der Abgeordneten, vom linken bis ins rechte Lager, stimmte für das Museum. Vor der Entscheidung in der Bürgerschaft zitierte das "Hamburger Abendblatt" Politiker, die sich die Tamm'sche Diktion schon zu eigen gemacht hatten (29.1.04): "Der Beitrag Hamburgs zur Menschheitszivilisation ist durch Seeleute und Kaufleute erbracht worden. Deshalb gehört das Museum nach Hamburg" (Willfried Maier , GAL). Einige Monate später appellierte der Erste Bürgermeister Ole von Beust an die Hamburger:" Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie, auch mit Blick auf die langjährige Schiffahrtsgeschichte der Stadt, den Betrieb des neuen Museums tatkräftig unterstützen würden" (Hamburger Abendblatt, 15.5.04).

Entgegen dem breiten Konsens von Springer-Presse und Hamburger CDU-Senat haben "taz" und "Hamburger Morgenpost" das Museumsvorhaben kritisch unter die Lupe genommen. So berichteten die beiden Zeitungen z.B. über die ungesicherte Finanzierung. Die "taz" befasste sich mehrmals ausführlich mit der fehlenden Museumskonzeption und stellte damals die bis heute aktuelle Frage, wie aus der Waffensammlung ein Internationales Schiffahrtsmuseum entstehen soll (taz, 20.1.05).

"Bild" und "Hamburger Abendblatt" bezeichneten das "Tamm-Museum" im Jahr 2004 noch selbstverständlich als "Marine-Museum". Das "Hamburger Abendblatt" vom 25.6.04 titelte: "Hafen-City - Vertrag über Tamms Marinemuseum perfekt". Als die Kritik an der Waffensammlung immer lauter wurde, verschwand die Bezeichnung "Marinemuseum". Obwohl die Stadt Peter Tamm vertraglich uneingeschränkte Handlungsfreiheit eingeräumt hatte, kamen im Senat offensichtlich Zweifel an der wissenschaftlichen Eignung von Peter Tamm und seinem Institut auf. Finanzsenator Wolfgang Peiner (verantwortlich für die Bereitstellung der 30 Millionen EUR zu den bekannten Konditionen) und die Kultursenatorin bemühten sich intensiv darum, Hermann Schäfer vom Haus der Geschichte in Bonn für das Schiffahrtsmuseum zu gewinnen. Im Januar 2005 schrieb das "Hamburger Abendblatt" unverdrossen "Tamm-Museum auf gutem Wege", während die "taz" mit ihrer Überschrift "Tamm plant, Senatorin mahnt" die Realität besser traf, denn Kultursenatorin Karin v.Welck hatte zudem die Bildung eines informellen Beirats in die Wege geleitet.

Die "Tamm-Tamm" Broschüre, herausgegeben vom Informationskreis Rüstungsgeschäfte in Hamburg, erschien im April 2005. Mit einer umfassenden Recherche belegten die Autoren u.a. die Unhaltbarkeit des wissenschaftlichen Anspruchs, den Peter Tamm für sein Museums-vorhaben reklamiert. Zunächst lief der Vertrieb über Mund- zu- Mundpropaganda. Nach einer " Mahnwache" bei der Grundsteinlegung für die Umbauten des Kaispeichers B, dem zukünftigen Museum, fand die Broschüre weitere publizistische Beachtung. NDR 3 /Fernsehen reagierte mit einem Beitrag im Kulturjournal: "Staatsgelder für Kriegsverherrlichung"? Überregionale Medien folgten. "Tamm-Tamm in der Hafencity" (Junge Welt), "Der Admiral - Museumsquerelen in Hamburg" (FR), "Hymnen auf die Kriegsmarine?" (SZ). In "Bild" und "Hamburger Abendblatt" wurden Broschüre und Mahnwache neutral bis negativ erwähnt. Der "Bild"- Bericht über Grundsteinlegung endete mit dem Satz: "Vor und nach der Feier mit Sekt und Butterkuchen mussten sich Gäste wie Kaffee-König Albert Darboven ? durch eine Demo von 30 Museums-Gegnern, bewacht von 50 Polizisten zu ihren Autos kämpfen. Auf Transparenten hiess es: "Gegen Waffenkult und Marinepropaganda" (Bild, 15.6.05 ).

Der große Einfluss von "Bild" und "Hamburger Abendblatt" auf die Politik der Hansestadt ist bekannt. Doch in diesem Fall ist die Berichterstattung der Springer-Presse zugunsten von Peter Tamm, dem ehemaligen Vorstandvorsitzenden des Axel Springer Verlags, besonders prekär. Die beiden großen Springer-Zeitungen haben sich mit den Argumenten der Kritiker nie auseinandergesetzt. Dem eigentlichen Auftrag der Presse zu informieren, ist vor allem die "taz" nachgekommen, die schon zu einem frühen Zeitpunkt auf Grund eigener Recherchen die Problematik des Museumsvorhabens dargestellt hat.

Die Initiative "Künstler informieren Politiker" wurde von "Bild" und "Hamburger Abendblatt" zwar erwähnt, aber lediglich "taz", das Straßenmagazin "Hinz&Kunzt" und der lokale Radiosender "FSK - Freies Sender Kombinat" haben detailliert über die Aktion berichtet. In der Sendereihe "Kunst und Politik" bei FSK berichteten in einer zweistündigen Gesprächsrunde Patinnen und Paten über erste Erfahrungen mit ihrer Aktion "Künstler informieren Politiker". Das Straßenmagazin "Hinz&Kunzt" machte das geplante Museum zu seinem Themenschwerpunkt (Nov. 05). Mit dem Aufmacher "Bullauge sei wachsam" informierte es in einer Reihe von Artikeln über das Vorhaben, berichtete über die Argumente der Kritiker, die Künstler-Aktion und konfrontierte Peter Tamm mit der Kritik an seiner Sammlung.

Zu Beginn interessierte sich auch die "Hamburger Morgenpost" für die Künstlerkritik - bis zu einem Bildbericht, der das Ziel der Aktion deutlich herausstellte. "Der Protest richtet sich gegen die militaristischen Schwerpunkte in der Sammlung des Ex-Springer-Vorstandschefs Peter Tamm, der von der Stadt 30 Millionen Euro erhält, um seine umfangreiche Privatsammlung auszustellen. Infos über "TammTamm", Erfahrungsberichte der Künstler und Antworten der Politiker unter: www.tamm-tamm.info." (Mopo, 30.9.05) Das Pressephoto zu diesem Text zeigt Cornelia Sollfrank mit dem Bürgerschaftsabgeordneten Walter Zuckerer. Auf der Treppe zum Sitzungssaal im Rathaus überreicht sie ihrem "Patenkind" die montierte Bild-Schlagzeile: "Treffer - Tamm Tamm Museum versenkt". Danach erschien in der "Hamburger Morgenpost" nichts mehr über die Aktion. Auch die bisherige Kritik an dem Tamm-Vorhaben ist aus der Berichterstattung der "Hamburger Morgenpost" verschwunden.

Obwohl die Aktion "Künstler informieren Politiker" wenig Echo in der Tagespresse fand, den Hamburger Leitmedien des Springer-Verlags "Bild und "Hamburger Abendblatt", so hat die Aktion dennoch den Diskurs über das Museumsvorhaben noch einmal in Gang gebracht. Die Aktion schuf ihre eigene Öffentlichkeit und löste in den festgefügten Strukturen, in denen sich die Politiker im Rathaus bewegen, eine gewisse Verunsicherung, Irritation, Nervosität aus. Denn der prozesshafte Charakter der Aktion, die Berichte über Gespräche mit Abgeordneten der Hamburger Bürgerschaft, vergebliche Anfragen, Absagen, die im Laufe von sechs Monaten zusammenkamen, wurde auf der website www.tamm-tamm.info dokumentiert. Diese Sammlung läßt die Schlussfolgerung zu, dass viele Abgeordnete in Unkenntnis der Sammlung und Konzeption für das Privatmuseum und Subventionen in Höhe von 30 Millionen EUR gestimmt haben.

-- SaschaBuettner - 02 Mar 2006

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