Start of topic | Skip to actions
StolenPictures Ein etwas abseitiger Trend wird zum neuen Volkssport.
Internet. Seit geraumer Zeit kursiert in IRC-Channels und
Diskussionforen der Begriff StolenPictures. Was es damit aufsich hat,
erklärt uns Marcus* so: Seit ich Dsl habe, treibe ich mich oft und
lange im Internet rum. Irgendwann einmal habe ich Fotoblogs und
Foto-Sharing-Plattformen kennengelernt. Klaro hab ich da meine Accounts
und lade eifrig Bilder hoch. Aber irgendwann habe ich festgestellt, daß
da draussen eine unheimliche Menge an verdammt geilen Bildern
herumschwirrt, die ich gerne besitzen würde. So begann die Leidenschaft
von Marcus und er wurde zum Sammler.
Zeigt her Eure Schätze
Aber das sammeln und besitzen von Bildern fremder Menschen alleine reicht solchen Bilderjunkies wie Marcus nicht. Folglich fing er an, seine Bilder zu sortieren, auf seinen Photo-iPod zu laden und seine Sammlung in Bussen und Bahnen den Mitfahrenden zu zeigen. Dabei, so Marcus, war und ist ihm das Copyright der Autoren ziemlich schnuppe. Er verkaufe ja keine Bilder, und er sage auch nicht, daß es seine seien. er betone lediglich, daß es seine Bildersammlung sei. Vilém Flusser und das Universum der technischen Bilder Während Kritiker in dem Treiben dieser Bilderjunkies nicht anderes als den Bruch geltendes Rechtes sehen, radikalisiert sich ein Teil der StolenPictures-Szene, unter Führung der Aktivistengruppe PaffiNueppel. Paffi Nüppel formuliert, daß, nach Vilém Flusser, technische Bilder von Apparaten erzeugt werden und die Bediener der Apparate letzlich nur der Programmlogik der Apparate folgen. Von einer Autorenschaft, die ein Copyright oder ähnliches begründen würde, könne, so Paffi Nüppel, keine Rede sein. Aus dem Netz in das Netz Paffi Nüppel karpert regelmässig fremde Netzseiten um dort eigene Bildersammlungen zu platzieren. So haben sie lange Zeit erfolgreich die Seite http://pinguinismus.de gekarpert um im Ordner mobfot_archive ihre StolenPictures zu präsentieren. Ähnlich gehen auch andere vor. Mittlerweile tauchen in den Photo-Sharing-Börsen und Photoblogs die StolenPictures in anderen Kontexten wieder auf, so daß, in Sachen Bilder im Web, von erhöhter Redundanzdichte ausgegangen werden muss. Das wird die Schreiberlinge von De:Bug deprimieren, die noch im Jannuar flickr als die Photobörse des 21. Jahrhunderts lobpreisten, ein Netztool, welches die Bildersuchfunktion von Google obsolet mache, denn auch dort tauchen schon die ersten Sammlerbilder auf, Bilder, die erst vor kurzem dort entwendet wurden. Stürzt das Establishment Das, so die Aktivistengruppe Paffi Nüppel, sei eine kalkulierter Nebeneffekt. Im wesentlichen ginge es um Aneignug von Bildern, um thematische Sammlungen und um das hijacken von Veranstaltungen, auf denen man dann seine eigene Sammlungen zeige. Nur dadurch, daß es eine breite Bewegung sei, könne endlich der Quatsch vom Copyright und der Autorenschaft (und damit ein unheimlicher ökonomischer Markt) beendet werden. Paffi Nüppel betont dabei, daß diese Bewegung sich nicht und ausschlieszlich auf das Internet beschränke. erst dadurch, daß die Bildersammlungen ihren Weg in den Realraum finden, könne das Bild-Establishment gestürzt werden. Sub-Underground Unseren Recherchen nach handelt es sich bei der StolenPictures-Szene um eine marginale, sicherlich skurielen, Randerscheinung der Subkultur. Jedoch, daß mussten wir auch feststellen, handelt es sich hier nicht um eine protofaschistische Pop-Attitude: Die Aktivisten meinen es sehr ernst ... und ihre grimmigen Gesichter sprechen Bände! Sie grenzen sich bewußt gegen Künstlerprojekte wie picturepeople ab, das ebenfalls mit Bildersammlungen, die sie per Email verschicken, auf sich aufmerksam macht, jedoch von anonymen Bilderfunden spricht. Für StolenPicture-Aktivisten zählt nur: gestohlen oder nichts! Aufschrei in der Foto- und Kunstszene Man hätte es sich fast denken können. Nicht die grossen Rechteverwerter und Profiteure von Copyright und Autorenschaft schreien nach Recht und Gesetz, sondern die kleinen Künstler und Hobbyfotografen. Friedhelm, ein engagierter Hobbyfotograf aus dem Westfälischen, zum WND: Für was die ganze Arbeit, wenn sie solche Schwachköppe wie Paffi Nüppel binnen Sekunden zu nichte machen? Können wir denn nicht friedlich koexistieren? Für solches Heulsusengeschwätz haben Paffi Nüppel und Mitstreiter wenig übrig. Sie werden nicht handgreiflich, aber sie lachen laut und herzlich. * Name von der Red. geändert. -- SaschaBuettner - 24 Feb 2005 Zurück zur Wikinachrichtendienst Startseite. Zurück zu TopTenNews. Zurück zu AllNews. | |||||