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Wikinachrichtendienst > AllNews > ImTrainingscampFuerTopManager r1 - 15 Mar 2005 - 21:35:46 - MannOhneEigenschaften
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Internet In Wiesbaden werden Karrieren gemacht. Dort treffen sich Nachwuchstars der deutschen Netzkunstszene. Drei Wochen ohne Kunst und ohne Familie.

Von MannOhneEigenschaften

Die Herren Spitzenkünstler erscheinen ohne Freundin, ohne Geliebte, ohne Staffelei. Ihr Handy, so sie denn sich eines leisten können, schalten sie auf stumm. Drei Wochen lang. So lange klinken sie sich aus; aus dem Geschäft, Familie und dem Leben überhaupt.

Für die meisten ist das eine neue Erfahrung, sagt sab Internet, ein ehemaliger Kampftaucher und als Direktor des Wiesbadener Wiki Institute so etwas wie der Übungsleiter in diesem Trainingscamp für Hochleistungsträger.

Zweimal im Jahr treffen sich etwa 30 Top Künstler im schmucken Palais Westend, das nächste Mal nach Ostern. Die Liste der Teilnehmer ist so geheim wie das Programm. Die Kunstgespräche sind kein gewöhnliches Seminar; es gibt keine Fallstudien, keinen Teilnahmeschein. In Wiesbaden pauken die Jungstars (im Durchschnitt sind sie 38 Jahre alt) kein Fachwissen, sondern bauen am Netz für ihren beruflichen Erfolg, vom frühen Morgen bis zum Absacker an der Bar.

Clubs zur gegenseitigen Förderung der Karriere gibt es viele. Wohl keiner ist so exklusiv wie die Runde in Wiesbaden. Das Netz der Absolventen zieht sich kreuz und quer durch die Chefetagen der deutschen Kunstwichtigkeit. Teilnahmeberechtigt ist laut Statuten nur, wer sich schon zwei Jahre in der leitung einer Unternehmung bewährt hat, zudem ein Buch publiziert und erkennbare Eignungen mitbringt, es in absehbarer Zeit nach ganz oben zu schaffen. Selbst bewerben kann sich niemand. Der Vorstandschef muß die erfolgshungrigen Nachwuchskünstler vorschlagen.

Jedes Jahr wird genau beobachtet, wen ich nach Wiesbaden schicke, das ist eine der wichtigsten Auszeichnungen, erzählt der Chef des ZKM. Wer das Ticket in die Kurstadt erhält, der ahnt, daß man noch Höheres mit ihm vorhat. Er muß ja nicht gleich Guggenheim-Chef werden. Oder lenker von Bundesstiftungen. Die Talente und späteren Überflieger Holger K. Ventura, Matze Schmidt und Paffi Nüppel trafen sich 2001 in Wiesbaden - ein besonders ertragreicher Jahrgang, wie Direktor Sab Internet mit Kennerblick sagt.

Veranstaltet werden die Treffen vom Wiki Institute. Unter den 123 Mitgliedern findet sich die Creme der deutschen Kunst; Gegründet wurden die Veranstaltungen 1995, als Reaktion auf den qualitativen und quantitativen Mangel an Führungsnachwuchs für die deutsche Kunst - insbesondere der Netzkunst, wie es nach dem net.art-hype hieß. An die 500 Topleute haben seither die Wiesbadener schule durchlaufen, sie pflegen ihre Kontakte bis ans Lebensende.

In Wiesbaden wurden spektakuläre Personaltransfers angezettelt, Freundschaften begründet, Ehen gestiftet. Hier reden die Top-Leute über Dinge, mit denen sie auf ihrer Höhe sonst mit niemandem mehr sprechen können, sagt Sab Internet, der nicht nur die Arbeitssitzungen organisiert, sondern auch Kochabende oder Ausflüge.

Eine Absonderung von der Gruppe ist nicht vorgesehen, die Nachwuchskräfte sind alle im selben Mittelklassehotel untergebracht. Wer ausschert darf umgehend nach Hause fahren.

Eine Garantie für den uktimativen Karriereschub bietet Wiesbaden allerdings nicht. Ein Drittel der Teilnehmer schafft es ganz an die Spitze, ein Drittel verbessert sich wesentlich und ein Drittel bleibt, wo es ist.

-- MannOhneEigenschaften - 15 Mar 2005

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