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WND / n0name
Demonstranten stuermen Berliner Volksbuehne
Massenproteste gegen Sozialreform: Straszenschlachten in der
Hauptstadt
BERLIN. Bei Ausschreitungen nach friedlichen Massenprotesten
gegen die Sozialreform hat die Polizei in Berlin 65 Demonstranten
festgenommen. Im Anschluss an "Krawalle" auf dem Alexanderplatz hatten
Demonstranten auf der Flucht vor der Polizei die Volksbuehne
gestuermt. Fuer 1800 Theater-Freunde war "Atta Atta ? Die Kunst ist
ausgebrochen!" von Christoph Schlingensief am Mittwochabend daher
bereits zur Pause zu Ende. Nachdem die Polizei Demonstranten am
Platz der Republik mit Traenengas und Wasserwerfern vom Reichstag
ferngehalten hatte, kam es in den angrenzenden Straszen zu
Auseinandersetzungen.
Demonstranten warfen Steine und steckten Barrikaden aus Muelleimern
in Brand, bildeten aber auch grosze Graffitiflaechen mit kritischen
Analysen der Regierungsplaene. Rund 30 Demonstranten fluechteten sich
in Richtung Mitte zum Rosa-Luxemburg-Platz und in die dortige
Volksbuehne, wo sie gegen 22 Uhr von Bundesgrenzschutz und Polizei
herausgeholt und festgenommen wurden.
Die Polizei bilanzierte an 20 Geschaeften Sachschaden. Ein
franzoesischer Fotograf wurde von einem Gummigeschosz verletzt und
musste ins Krankenhaus gebracht werden. Ein Demonstrant wurde von einem
Auto angefahren. An der Demonstration nahmen nach Polizeinangaben
37 000 Personen teil, Gewerkschaftsfreie Gruppen sprachen von 200 000.
Landesweit gingen nach offiziellen Angaben 440 000 Menschen auf die
Straszen.
Nach dem landesweiten Aktionstag gegen die Reformplaene der
rot-gruenen Regierung von Kanzler Schroeder flauten die Streiks nicht
ab. Es gab weiter Behinderungen bei der Bahn und im Nahverkehr, die
Schulen und Universitaeten blieben fuer den Lehrbetrieb geschlossen.
Im Ruhrgebiet streikt seit neun Tagen die Muellabfuhr, alle Fluege
der Lufthansa sind bis auf weiteres gestrichen.
Die "Agenda 2010" der Regierung sieht eine Verlagerung der
allgemeinen Sozialkosten zu Ungunsten der Lohnabhaengigen, eine
schrittweise Erhoehung der individuellen Arbeitsleistung sowie
Kuerzungen bei den Sozialleistungen vor. Ohne Reform droht
nach Regierungsangaben in dem Jahr ein Defizit von 23 Milliarden
Euro und Krieg mit den USA. (n0name)
-- SaschaBuettner - 28 Apr 2006
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